Sonntag, 9. Juli 2023

[Rezension] Jamey. Das Kind, das zuviel wusste - Jonathan Kellerman

 


Titel: Jamey. Das Kind, das zuviel wusste

Autor:   Jonathan Kellerman

Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsjahr: 2004
Seitenzahl: 539
Cover: © Lübbe
Begonnen: 17.06.2023
Beendet: 21.06.2023


Der Jugendpsychiater Dr. Delaware bekommt einen alarmierenden Anruf von einem ehemaligen Patienten, der seine Hilfe braucht. Jamey ist aus einer Klimik geflohen und wird schließlich neben der Leiche eines Bankiers gefunden. Alle glauben, dass Jamey ein gesuchter Serienmörder sein könnte, nur Dr. Delaware ist von seiner Unschuld überzeugt ...

Der Autor Jonathan Kellerman, der selbst viele Jahre als Jugendpsychologe arbeitete, hat mit Jamey einen sehr vielschichtigen Charakter erschaffen. Der hochbegabte Junge, der plötzlich Anzeichen von Schizophrenie zeigt und als Mörder abgestempelt wird, bittet Dr. Delaware um Hilfe. Der Psychologe hängt sich sofort in die ganze Sache hinein, spricht mit Ärzten, Anwälten und anderem Patienten. So entsteht ein immer deutlicheres Bild von Jamey, der vielleicht eher Opfer als Täter ist ...

Als echten Thriller kann ich dieses Buch aber nicht ansehen. So interessant ich Jamey als Charakter sowie das Psychologie-Thema auch fand, es mangelte mir doch an Spannung. Immer wenn es um den sehr verstricken Fall ging und eben nicht mehr direkt um Jamey habe ich mich gelangweilt. So fand ich zwar das Ende ganz nett, aber genauso unaufgeregt wie das ganze Buch das zwar eine gute Charakterstudie beinhaltet, ansonsten aber nur aus Dialogen, Mutmaßungen und dem langsamen Herantasten an die Wahrheit besteht.




Jamey empfand ich als sehr vielschichtigen Charakter, der durch die verschiedenen Gespräche, die der Psychologe führt, von allen Seiten beleuchtet wird. Der Mordfall hat mir allerdings nicht zugesagt und so habe ich mich stellenweise leider stark gelangweilt ...

Ich vergebe 3 von 5.



Freitag, 7. Juli 2023

[Rezension] Endlich Sommer (Kurzgeschichten) - Margaret Atwood, T.C. Boyle, Ernest Hemingway u.v.w

 


Titel: Endlich Sommer

Autor:   Margaret Atwood, T.C. Boyle, Ernest Hemingway und andere

Genre: Kurzgeschichten
Erscheinungsjahr: 1998
Seitenzahl: 400
Cover: © Econ Verlag
Begonnen: 14.06.2023
Beendet: 19.06.2023


Diese sommerliche Anthologie habe ich bereits im letzten Jahr als es kühler wurde in einem Bücherschrank entdeckt. Die aktuelle Hitze hat mich dazu inspiriert, diesen Kurzgeschichtenband, in dem sich 18 größtenteils sehr bekannte und sehr unterschiedliche Schriftsteller versammeln, zu lesen.

Die anfänglichen Geschichten konnten mich allerdings nicht so recht vom Hocker reißen und mir fehlte lange das sommerliche Gefühl. Eventuell verbinde ich selbst mit dem Sommer aber auch ganz andere Dinge, denn tatsächlich haben mir hier Landschaften und die Natur sehr gefehlt.

In diesem Buch lernte ich allerdings auf recht angenehme Weise nun Autoren kennen, die ich bisher nur vom Namen her kannte. So war "Wetterumschwung" mein erster Kontakt mit Hemingway. Diese Geschichte über einen seltsamen Dialog zwischen einem jungen Mann und seinem Mädchen kam mir allerdings nicht allzu nahe.

In den Geschichten geht es hauptsächlich um Liebe, Lust und Leidenschaft. Einiges wie beispielsweise "Die Hängematte zwischen den Linden" von Javier García Sánchez war mir zu vulgär, anderes wie Lion Feuchtwangers "Venedig (Texas)" viel zu eintönig.

T.C. Boyles Geschichte ist hingegen gewohnt durchgeknallt und handelt von Jungs, die Spaß haben wollen und jede Menge Probleme anhäufen. Neben "Der Sonnenaufgang" von Margaret Atwood, die eine vielschichtige Charakterin aufzeichnet und für mich die einzige wirklich tiefsinnige Geschichte war, konnte mich auch "Sommergewitter" von Cesare Pavese gut unterhalten. Ansonsten werde ich wohl die meisten der Storys (leider) recht schnell wieder vergessen haben ...



Diese sommerliche Anthologie mit sehr unterschiedlichen Geschichten größtenteils sehr bekannter Schriftsteller konnte mich nur mit wenigen Geschichten wirklich gut unterhalten. Leider fehlte mir oft das sommerliche Gefühl ...

Ich vergebe 3 von 5.





Mittwoch, 5. Juli 2023

[Rezension] Röslein rot - Ingrid Noll

 


Titel: Röslein rot

Autor:   Ingrid Noll

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1998
Seitenzahl: 273
Cover: © Diogenes
Begonnen: 13.06.2023
Beendet: 16.06.2023



Annerose liebt Stillleben und erkennt dabei gar nicht, dass ihr eigenes Familienleben bereits zu einer Art Stillleben verkümmert ist. Als sie plötzlich ihren Mann der Untreue beschuldigt, eskaliert alles und es gibt bald sogar einen Toten, mit dem niemand rechnen konnte.

Ich bin den Büchern von Ingrid Noll mittlerweile verfallen und muss sie - sobald mir eins in die Hände fällt - direkt lesen. Obwohl ihre Geschichten ruhig sind und meistens nur das Leben "normaler" Frauen beschreiben, mag ich die Charaktertiefe, die leisen, aber dennoch intensiven Töne und die teils sehr bizarren Entwicklungen.

Annerose ist ein unfassbar spannender Charakter, den die Autorin hier gekonnt durchleuchtet. Wir erfahren nicht nur mehr über ihre Kindheit sondern erleben auch hautnah mit, wie sie immer misstrauischer beziehungsweise eifersüchtiger wird und ihren Mann schließlich regelrecht dazu drängt, mit einer anderen Frau etwas anzufangen.

Die Ehe von Annerose und Reinhard steht dabei im Fokus und die Tatsache, dass ausgerechnet eine verrückte Stalkerin den Stein ins Rollen bringt und somit für das ganze Chaos verantwortlich ist, besitzt einen grandiosen schwarzen Humor. Das Ende ist schräg und gleichzeitig auch so komisch, dass ich das Buch unweigerlich mit einem Grinsen zuschlagen musste. Ich freue mich bereits auf das nächste Buch von Ingrid Noll!


"Röslein rot" ist die schräge Geschichte einer Frau, die ihren Mann durch ihre Eifersucht förmlich in die Untreue zwingt und dann irgendwie mit den Scherben ihrer Ehe und einen überraschenden Toten umgehen muss. Absolut unterhaltsam, bitter, tragisch und witzig! 

Ich vergebe 5 von 5.

Montag, 3. Juli 2023

[Rezension] So lonely - Per Nilsson

 


Titel: So lonely

Autor:   Per Nilsson

Genre: Roman, Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 1996
Seitenzahl: 160
Cover: © Oetinger Verlag
Begonnen: 11.06.2023
Beendet: 14.06.2023


Ein Junge zwischen Kindheit und Erwachsenwerden gefangen, sitzt an einem einsamen Samstag an seinem Schreibtisch und wartet auf einen Anruf. Dabei durchlebt er, wie das mit Ann-Kathrin und ihm angefangen hat und wie die Sehnsucht ihn vollkommen verzerrt hat. Er will nicht mehr lieben, denn dieses Mädchen, das er Herzttrost nennt, hat sein Herz nicht getröstet sondern zerstört ...

"So lonely" ist ein Jugendbuch, das ich - wie ich nach wenigen Seiten festgestellt habe - bereits als Teenager gelesen habe. Damals hat mich das Buch aufgrund der Thenatik stark mitgenommen, mich aber gleichzeitig der Zitronenmelisse näher gebracht, die Jahre nach dem Lesen auch mein "Herztrost" war. Es geht in dieser Geschichte um einen namenlosen Jungen, der sich - wie Goethes Held in "Die Leiden des jungen Werther - in seiner ersten Beziehung und damit in seinem ersten Verliebtsein vollkommen verliert. Sehnsucht wird zu Besessenheit, Zuneigung zu Eifersucht und Liebe zu Schmerz.

Per Nilsson hat einen wundervollen Umgang mit Worten und beschreibt das Innenleben des Verliebten auf eine ganz eigene Art und Weise. Er lässt diese Geschichte leicht erscheinen, obwohl sie so viel Tiefgang und vor allem auch Schmerz beinhaltet. Während der Hautcharakter an seinem Schreibtisch sitzt und seine allererste Liebe noch einmal durchlebt oder besser durchleidet, gerät auch der Leser in einen wahren Strudel der Gefühle. Es war schwer, mit anzusehen, wie sich der Junge immer mehr hineinsteigert und die erschreckende Wahrheit nicht erkennt. 

Dem Schriftsteller ist ein kurzer, aber sehr intensiver Einblick in die überwältigende Macht der ersten Liebe gelungen und damit auch in den Schmerz, der am Ende übrig bleibt. Ich glaube, dies ist so ein Jugendbuch, dass ich noch dutzende Male lesen und dennoch immer wieder dieselbe Wucht der Gefühle spüren würde. Für mich ein Wahres Highlight, sprachlich als auch von der Intensität der Story, bei dem jedes Wort gut gewählt ist und sich ins Herz der Leser bohrt!



"So lonely" ist die emotionale Geschichte eines Jungen, der einsam am Schreibtisch sitzt und seine erste Liebe noch einmal durchlebt. Er reist den Leser mit sich in ein Gefühlschaos aus Liebe, Eifersucht, Sehnsucht und Besessenheit. Ein unfassbar starkes Jugendbuch!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratripfen!




Samstag, 1. Juli 2023

[Rezension] Into the Water - Paula Hawkins

  


Titel: Into the Water

Autor:   Paula Hawkins

Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsjahr: 2017
Seitenzahl: 480
Cover: © Blanvalet
Begonnen: 08.06.2023
Beendet: 13.06.2023


Julia, die von allen nur Jules genannt wird, kehrt nach dem Tod ihrer Schwester in ihre alte Heimat zurück. Sie glaubt nicht daran, dass Nel wirklich gesprungen ist und fürchtet sich selbst vor jenen Ort, in dem schon viele Frauen ums Leben kam und den alle den Drowning Pool nennen ...

"Into the Water" ist ein Psychothriller, in dem es um mehrere rätselhafte Tode geht. Es gibt sehr viele Personen, die involviert sind und ebenso viele Sichtweisen, was gerade zu Beginn sehr verwirrend ist. Neben der Geschichte von Jules Schwester werden auch die anderen Todesfälle aufgearbeitet, es gibt die Polizei, die ermittelt und auch andere Personen, die zumindest teilweise in die ganzen Geschehnisse verstrickt sind. Zeitgleich gibt es Nebenstränge, die den Leser auf eine falsche Fährte locken sollen, so auch Jules eher unwichtige Vergangenheit.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat mich die Geschichte packen und unterhalten können. Dieses Mal hat sich mein Lesetagebuch als ausgesprochen nützlich erwiesen, denn es war doch sehr schwierig, die einzelnen Personen unterscheiden zu können und zu verstehen, in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Paula Hawkins hat sich hier leider keinen Gefallen damit getan, alles aus der "Ich"-Perspektive zu schildern.

Der Mittelteil kam mir hier am stärksten vor. Leider lässt das Buch zum Ende hin, als ein paar der Handlungsstränge ins Leere führen, stark nach und für meinen Geschmack war das Ende eine Spur zu lahm und offensichtlich. Ich habe das Buch, das ich bis zu einen gewissen Punkt sehr gerne gelesen habe, dann doch enttäuscht zugeschlagen ...


"Into the Water" ist ein vielschichtige Geschichte, die durch die zahlreichen Blickwinkeln - hat man sich erst mal daran gewöhnt - durchaus zu fesseln und unterhalten weiß. Leider war mir das Ende zu einfach und offensichtlich ...

Ich vergebe 3 von 5.




Donnerstag, 29. Juni 2023

[Rezension] Nachtzug nach Lissabon - Pascal Mercier

 


 Titel: Nachtzug nach Lissabon

Autor:   Pascal Mercier

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2006
Seitenzahl: 496
Cover: © Bastei Lübbe
Begonnen: 06.06.2023
Beendet: 11.06.2023


Der Lateinlehrer Raimund Gregorius bricht aus seinem gewohnten Umfeld aus. Mitten im Unterricht verschwindet er und steigt schließlich in den Nachtzug nach Lissabon, um den Spuren eines Buches und eines rätselhaften Schriftstellers zu folgen. Es wird für Gregorius eine Reise zu sich selbst ...

"Nachtzug nach Lissabon" war ein Buch, das mich förmlich verfolgt und sich mir immer wieder aufgedrängt hat. Seit Jahren ist es mir immer wieder in öffentlichen Bücherschränken begegnet und dutzende Male hatte ich es in der Hand bevor ich es endlich mitgenommen habe. Gregorius Geschichte passt natürlich perfekt zu mir, denn er bricht auch aus seinem gewohnten und mittlerweile sehr langweiligen Leben und Umfeld heraus und versucht recht verzweifelt den Sinn seiner Existenz zu finden.

In einem Antiquariat hat Gregorius das Buch von Amadeu Prado entdeckt und will mehr über das Buch und den unbekannten Schriftsteller herausfinden. Er übersetzt auf seiner Reise nicht nur das Buch, sondern spricht auch mit Personen, die Prado kannten. So kommt er ihm und gleichzeitig auch sich selbst immer näher. Es entsteht praktisch eine Geschichte in der Geschichte, denn der Leser erfährt sehr viel über Prado. Allerdings konnte ich die Nähe, die Gregorius zu Prado empfindet, selbst nicht direkt spüren. Am Ende bleiben zudem viele Fragen offen, wie Gregorius nun mit den Erkenntnissen seiner Reise umgehen wird!

Hätte ich geahnt, dass "Nachtzug nach Lissabon" nicht einfach zu lesen ist und sehr viel Konzentration benötigt, hätte ich es wohl nicht in einer so heißen Woche gelesen. Es war doch eine große Herausforderung, da das Buch sehr philosophisch ist und dem Leser einiges abverlangt. Niemand wird diese Geschichte lesen ohne selbst ein wenig über das eigene Leben nachzudenken! Ich empfehle das Buch gerne weiter, auch wenn ich es wohl als recht anstrengende Lektüre in Erinnerung behalten werde.


"Nachtzug nach Lissabon" ist kein Buch, das sich mal schnell nebenbei lesen lässt. Es ist die sehr philosophische Reise eines Mannes, der sich auf die Spur eines verstorbenen Schriftstellers begibt und sich schließlich selbst finde! Ein sehr philosophisches und herausforderndes Buch!

Ich vergebe 4 von 5.




Dienstag, 27. Juni 2023

[Rezension] Das Marsprojekt - Andreas Eschbach

 


Titel: Das Marsprojekt (Band 1)

Autor:   Andreas Eschbach

Genre: Roman, Science Fiction,  Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2004
Seitenzahl: 304
Cover: © Bastei Lübbe
Begonnen: 04.06.2023
Beendet: 08.06.2023


Ariana, Ronny, Carl und Elinn wurden auf dem Mars geboren. Urplötzlich soll die Siedlung allerdings aufgelöst werden, weil das Marsprojekt angeblich gescheitert ist. Die vier Freunde sind jedoch fest entschlossen auf dem roten Planeten zu bleiben und beginnen, einen Plan zu entwickeln ...

Als großer Fan von Andreas Eschbach war ich sehr froh, den ersten Band der "Marsprojekt"-Jugendbuchreihe in einem Bücherschrank entdeckt zu haben. Mittlerweile genieße ich das Science-Fiction-Genre und so fand ich es nun spannend mit den vier Jugendlichen den Mars zu erkunden. Dabei lässt Eschbach natürlich auch viele wissenswerte Fakten einfließen.

Die Jugendbücher von Eschbach lesen sich allerdings etwas anders als seine Erwachsenenbücher, die ja meistens aktuelle und auch wichtige Themen aufgreifen. "Das Marsprojekt" ist eher ein leicht zu lesender Abenteuerroman, bei dem sich für mich - ähnlich wie bei "Gliss" schon zeigt - dass es ein paar Schwächen bei den Charakteren gibt. Carl und Elinn als Geschwisterpaar stehen im Fokus, blieben für meinen Geschmack aber genau wie Adriana etwas blass beziehungsweise austauschbar. Ich könnte die Charaktere jetzt nur schwer beschreiben.

Von diesem Kritikpunkt abgesehen habe ich diesen ersten Band gerne gelesen, denn Eschbach weiß definitiv zu unterhalten und zu überraschen. Es hat Spaß gemacht, die vier Kinder/Jugendliche dabei zu beobachten, wie sie versuchen, ihr Zuhause zu retten. Sollten mir die anderen Bände in die Hände fallen, werde ich sie definitiv lesen!


"Das Marsprojekt" ist ein interessantes Science-Fiction-Buch für Jugendliche, das zu unterhalten weiß und gleichzeitig über das Leben auf dem roten Planeten aufklärt. Allerdings waren mir die Charaktere eine Spur zu blass ...

Ich vergebe 4 von 5.