Freitag, 1. Dezember 2017

[Re-Read] Crazy - Benjamin Lebert

Titel: Crazy
Autor:  Benjamin Lebert
Genre: Roman, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 1. Juli 2001
Anzahl der Seiten: 176
Cover und Inhaltsangabe © Goldmann



„Hallo Leute. Ich heiße Benjamin Lebert, bin sechzehn Jahre alt, und ich bin ein Krüppel. Nur damit ihr es wißt. Ich dachte, es wäre von beiderseitigem Interesse.“ Mit diesen Worten stellt sich Benjamin Lebert an seinem ersten Schultag seinen neuen Mitschülern im Internat Schloß Neuseelen vor. Es ist sein fünfter Schulwechsel. Diesmal soll er endlich die 8. Klasse bestehen. Zusammen mit seinen fünf Freunden übersteht Benjamin die Zeit im Internat. Bei allen Unternehmungen – bei nächtlichen Besuchen auf dem Mädchengang genauso wie bei heimlichen Ausflügen ins Dorf – beschäftigt sie fortwährend die Frage, worum es in dieser ganzen Veranstaltung namens Leben eigentlich geht: um Mädchen, um Sex, um Freundschaft und ums Erwachsenwerden oder vielleicht auf einfach nur darum, immer weiterzumachen, wie verrückt die Welt und wie „crazy“ man selbst auch sein mag"





Kaum ein anderes Buch ist so unweigerlich mit meiner Jugend verbunden wie "Crazy" von Benjamin Lebert. Damals hatte ich natürlich zuerst den Film gesehen, mir aber gleich im Anschluss auch noch das Buch dazu gekauft, denn ich fand es unglaublich spannend, in die Jugend des Autoren selbst einzutauchen, der auf der einen Seite ein typischer Jugendlicher war, auf der anderen aber aufgrund seiner Behinderung immer kämpfen musste.

Ich muss sagen, dass ich nie ein Normalo-Teenager war, ganz im Gegenteil. Ich hatte nie Freunde, nie das Gefühl irgendwo dazuzugehören, kein Wunder also, dass mich Benjamin Leberts "Crazy" schon damals begeistern konnte. Es war für mich eine ganz neue Erfahrung, der Einblick in die Pubertät. die ich scheinbar nie hatte und dennoch ein Buch, das viele meiner eigenen Gedanken wiederspiegeln konnte.

Beim erneuten Lesen habe ich allerdings gemerkt, dass ich heute ein ganz anderes Empfinden als damals hatte, was ich wirklich interessant finde. Das Buch ist sehr kurz, die Geschichte rasant und flott erzählt, aus heutiger Sicht etwas zu flott, aus damaliger aber genau richtig. Alles konzentriert sich auf den jungen Benjamin, der aufs Internat kommt und dort lernt, zu leben!




- Benjamin -

Benjamin ist halbseitig gelähmt und hat sich deshalb schon immer ausgestoßen gefühlt. Das ändert sich aber, als er aufs Internat kommt und dort recht schnell Anschluss findet! Benjamin möchte eigentlich nur dazugehören und eben all das erleben, was auch andere in seinem Alter erleben. Sei es das erste Mal, das Zurechtfinden in einer Gruppe oder auch das erste Brechen von Regeln.

Ich finde es nach wie vor interessant, dass es sich hier um ein autobiografisches Werk handelt! Wir lernen also den "echten" Benjamin kennen, einen nachdenklichen Jungen, der wirklich gute und kluge Gedanken hat!

- Janosch -

Janosch ist Benjamins Zimmergenosse auf dem Internat und wir zu einem guten Freund. Er ist es auch, der alles als Crazy bezeichnet und Benjamin und die anderen Jungs der Gruppe immer wieder hochzieht. Ich finde Janosch als Charakter nach wie vor interessant, er ist so der typische äußerlich harte Kerl, der aber auch eine sehr weiche und nachdenkliche Seite besitzt.

- Troy -

Spannend zu sehen war für mich, dass ich auch nach all den Jahren Troy noch am interessantesten fand. Er ist mir auch sehr gut in Erinnerung geblieben. Er ist sehr schweigsam, in sich gekehrt und er hat mich schon damals enorm an mich erinnert. Aus heutiger Sicht kam mir hier sein Wandel aber viel zu schnell, das war für mich nicht mehr direkt nachvollziehbar.




Ich habe mich riesig gefreut, als ich "Crazy" in einem Bücherschrank gefunden habe, weil es für mich doch ein Buch war, das ich als Jugendliche öfters gelesen habe. Zum einen besaß das Buch schon damals für mich einige Weisheiten, die ich so eins zu eins empfunden habe, zum anderen hat es einen gewissen Mut gemacht. "Anders sein" muss nämlich nicht schlecht sein!

Benjamin ist zu Beginn der Geschichte etwas wie ich, sehr zurückhaltend, sehr pessimistisch und so kommt er auch eher mit schlechten Gefühlen auf das Internat Neuseelen. Er denkt, eh niemals zu den anderen zu gehören, doch plötzlich lernt er, was es heißt, Freunde zu haben, sich selbst zu akzeptieren und das Leben, beziehungsweise seine Jugend, wirklich zu genießen.

"Crazy" ist dabei nur ein kleiner Einblick in das Leben eines Jugendlichen, der denkt, nicht "normal" zu sein. Aber was ist schon normal? Ist der selbstbewusste Janosch, der immer nur an die hübsche Malen denkt, normal? Oder ist es Troy, der nie ein Wort redet und selbst nicht weiß, wie er in diese Welt passt? In meiner Jugend habe ich mir auch viel zu viel Gedanken darüber gemacht und das war, im Nachhinein betrachtet, einfach nur Zeitverschwendung. Hätte ich mich viel früher selbst akzeptieren können, so hätte ich auch früher gelernt, so zu leben, wie ich es für richtig halte. Die Botschaft in diesem Buch finde ich auf jeden Fall toll!

Wir alle sind "Crazy", auf unsere Art und dazu sollten wir stehen. Meistens bereuen wir im Nachhinein schließlich nicht die Dinge, die wir getan haben, sondern all die Dinge, wie wir nicht getan haben. So geht es mir jedenfalls! Die Geschichte in "Crazy" sehe ich daher als erstes kleines Abenteuer auf den Weg zum Erwachsen werden! Es geht das Auffinden des eigenen Weges, aber auch den Mut, einmal eine falsche Abbiegung zu riskieren, denn auch falsche Entscheidungen gehören zum Leben!

Witziger Fun Fact am Ende: Ich habe damals, im Alter von 15 oder 16, meinen ersten und einzigen Leserbrief geschrieben, nämlich an Benjamin Lebert, um ihn zu danken, weil er es mit "Crazy" geschafft hat, mir zu zeigen, dass auch ich "Crazy" sein kann! Eine Antwort habe ich natürlich nie bekommen! :P




Es tat gut, noch einmal ein Buch zu lesen, das mir in der Jugend so viel bedeutet hat. Von der Handlung her ist es Benjamin Leberts kleines und doch großes Abenteuer, eine Internatszeit, die er so wohl nie vergessen hat und die auch den Leser zum Nachdenken über das eigene Leben anregt. Für Jugendliche echt ein Must Read!


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