Donnerstag, 28. Dezember 2017

[Rezension] Der norwegische Gast - Anne Holt

Titel: Der norwegische Gast
Autor:  Anne Holt
Genre: Krimi
Erscheinungsdatum: 1. Februar 2017
Anzahl der Seiten: 464
Cover und Inhaltsangabe © Knaur



"Seit Stunden wütet über dem unzugänglichen norwegischen Bergdorf Finse ein Schneesturm. Der einzige Zug dorthin ist in einer Schneewehe entgleist, die Passagiere, unter denen auch die ehemalige Kommissarin Hanne Wilhelmsen ist, finden Zuflucht im nahen Hotel. Man macht sich bekannt, und bald drehen sich die Gespräche vor allem um eines: Was haben die Wachen vor den Türen zu bedeuten? Wen sollen sie schützen? Die königliche Familie, einen ausländischen Ter­roristen? Während die Vermutungen ins Kraut schießen, geschieht ein brutaler Mord – ein mitgereister Pastor, der durch seine Fernsehauftritte große Bekanntheit genoss, liegt erschossen im Schnee vor dem Haus."




„Der norwegische Gast“ war ein Buch, das ich schon lange lesen wollte, an das ich mich aber nie gewagt hatte. Da ich gerade aber großen Spaß mit „Sherlock Holmes“ gehabt habe, dachte ich mir, dass ich es jetzt endlich mal mit diesen Krimi aus dem hohen Norden versuchen sollte.

Anne Holts Schreibstil ist dabei typisch skandinavisch: distanziert, sehr kühl und wenig tiefgründig. Ich denke, diesen Stil muss man einfach mögen, ich habe aber bei diesem Buch mal wieder gemerkt, wie schwer es mir fiel, in die Geschichte abzutauchen. Ich hatte mal wieder das Gefühl, nicht direkt Teil des Geschehens zu sein, sondern alles wie aus weiter Ferne zu beobachten. Das war  echt schade!




- Hanne Wilhelmsen -

Hanne ist eine recht mürrische und introvertierte Frau, die seit einer Schussverletzung im Rollstuhl sitzt. Ich mochte ihre sehr abweisende Art sehr gerne, denn sie ist jemand, der Menschen generell misstraut und ihre Abneigungen jedem sofort zeigt. Sie war mal eine echt erfrischend „andere“ Ermittlerin, auch wenn es den Lesern wohl erst einmal schwer fallen wird, sich mit ihr zu identifizieren!

Hanne ist durch ihre Art schon ein besonderer Charakter, als Ermittlerin wohl auch recht speziell. Da sie im Rollstuhl sitzt und daher immer auf die Hilfe von anderen Menschen angewiesen ist, hat sie eine Art Schutzschild um sich errichtet. Sie will am liebsten nicht gesehen werden und still alles aus der Ferne beobachten.

Wie gesagt, mochte ich Hanne Wilhelmsen sehr gerne, da ich auch ein sehr introvertierter Mensch bin. Allerdings fand ich sie als Ermittlerin hier doch in ihrer Funktion recht schwach, was aber wohl vor allem auch daran liegt, dass ich den Mordfall hier zu einfach fand …



Ein Bahnunglück mit 269 Menschen an Bord und das in eisiger Kälte. Zum Glück gibt es ein Hotel in der Nähe, in dem sie unterkommen können. Es scheint, als wären sie gerettet, doch in Wahrheit sind jetzt Gefangene und einer von ihnen wird zum Mörder werden …

So ist erst einmal die Ausgangslage, die ja eigentlich recht spannend klingt. Spannend war das Buch auch, allerdings nur am Anfang. Die ganze Rettungsaktion und das „Organisieren“ im Hotel, all das fand ich noch interessant, doch dann kommt es zum Mord und plötzlich nimmt der Spannungsbogen rapide ab.

Wir begleiten Hanne Wilhelmsen, eine Ermittlerin, die im Rollstuhl sitzt und nicht viel tun kann, als  erst einmal zu beobachten. Natürlich entdecken wir dann auch Stück für Stück die ganzen Ungereimtheiten in dem Hotel. Zum einen befinden sich oben im Apartmenttrakt Wachen und es geht das Gerücht um, dass es sich dabei um die Königin Norwegens handelt. Zum anderen geschehen dann zwei Morde, die den Leser aber relativ kalt lassen dürften, denn wir dürfen daran nicht teilnehmen, werden nur mit zwei Leichen konfrontiert.

Mehr passiert dann auch erst einmal nicht. Die zwei Morde, die bereits der Klappentext vorneweg nimmt, werden das restliche Buch genaustens analysiert. Es gibt ein paar Leute, die Hanne verdächtigt finden und schließlich genauer beobachtet, um dann am Ende genau aufzuklären, wer der Mörder ist. Das war es und ich wurde wieder daran erinnert, warum ich die heutigen Krimis leider viel zu einfach und zu konstruiert finde …

Leider hat die Geschichte wenig Tiefgang zu bieten und die ganze Hintergrundgeschichte ist, das muss ich hier nun ehrlicherweise sagen, von der Thematik her zutiefst langweilig und austauschbar. Zwar fand ich die Ermittlerin Hanne Wilhelmsen von ihrer Art mal erfrischend anders, aber das alles konnte den Fall dann doch nicht retten.

An vielen Stellen musste ich mich echt zum weiterlesen zwingen, nur die zahlreichen Beschreibungen des tollen Hotelessens konnten mich dann hin und wieder doch noch aufmuntern – sie haben aber natürlich auch enorm viel Seiten gefüllt.

Letztendlich muss ich sagen, dass ich die Geschichte furchtbar konstruiert und von der Auflösung zu einfach fand. Für mich ist Anne Holt daher nichts, vielleicht treffen auch skandinavische Thriller auch einfach nicht meinen Geschmack …



„Der norwegische Gast“ ist ein Krimi, der mit einer interessanten Ausgangssituation, in Form eines Bahnunglücks, eines Sturms und eines Hotels als Unterschlupf, startet, dann aber extrem nachlässt. Die bereits im Klappentext vorweggenommenen Morde werden schnell abgearbeitet und die Auflösung hat mich leider maßlos enttäuscht ...

Kommentare:

  1. Hallo Jessi,

    schade, dass das nichts gewesen ist. Da kann wohl auch das beschriebene Essen nicht darüber hinweg trösten. Dabei wäre die Kombination aus Zugunglück, Kälte und Hotel allein recht interessant.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hi Nicole,

      ja, die Kombination hat mir eigentlich auch gefallen, aber ich hatte da echt mehr erwartet ;/ Aber Krimis sind eh immer schwer, vor allem, wenn sie dann noch Richtung Politik und dergleichen gehen, langweilt es mich schnell!

      Liebe Grüße
      Jessi

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