Samstag, 13. Mai 2023

[Rezension] Die Lieder der Ähren - Ramon Cravel

 


 

Titel: Die Lieder der Ähren

Autor:  Ramon Cravel

Genre: Gedichte
Erscheinungsjahr: 2023
Seitenzahl: 61
Cover: © Diogenes
Begonnen: 28.04.2023
Beendet: 04.05.2023


Gedichte lese ich eher selten und dennoch hat mich Ramon Cravel sehr neugierig gemacht, als er mir seinen Gedichtband namens "Lieder der Ähren" als Rezensionsexemplar angeboten hat. Wie der wundervolle Titel schon andeutet, geht es hier vorwiegend um die Natur, die von dem Autor betrachtet und in Poesie verwandelt wird.

Empfehlen würde ich, sich mit diesen Gedichten nach draußen in den Wald oder auf ein Feld zu setzen und die Worte einfach auf sich wirken zu lassen. So habe ich es getan und konnte auf diese Weise in jedem Gedicht etwas Wahres, Wertvolles und zeitgleich viel Stoff zum Nachdenken finden.

Auf melancholische Art beschäftigt sich fast jedes Gedicht auch mit dem Leben, das seine Bahnen zieht und das manchmal sogar an uns vorbeirauscht. Es geht um Zeit, die unbemerkt verstreicht und um den Lauf der Jahres- und Tageszeiten. 

Besonders schön vom Klang fand ich "Bäumelein", sehr düster wirkt "Nachtmahr" und "Lass ab" beschreibt perfekt den Lauf der Dinge und zeichnet sanft eine tolle Parallele zwischen den Menschen und der Natur. Ich denke, jeder Leser, der Gedichten nicht abgeneigt ist, wird hier in diesem Buch etwas zum Nachdenken finden und vielleicht danach die Natur und das Leben aus einem anderen Blickwinkel betrachten!


 "Lieder der Ähren" passt perfekt zum Frühling und lädt ein, die einzelnen Gedichte in der Natur sitzend zu genießen und die Gedanken schweifen zu lassen. Ich bin gespannt, was von dem Dichter noch kommen wird und empfehle diesen Gedichtband gerne weiter!

Ich vergebe 5 von 5.


Freitag, 12. Mai 2023

[Rezension] Ein einziger Tag - Kjersti Scheen

  


Titel: Ein einziger Tag

Autor:  Kjersti Scheen

Genre: Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2000
Seitenzahl: 192
Cover: © Ravensburger Verlag
Begonnen: 21.04.2023
Beendet: 24.04.2023


Martin wird seit der ersten Klasse von Fredrik und seiner Clique gemobbt, dennoch fährt er mit ihnen gemeinsam mit dem Boot hinaus. Er hofft, doch irgendwann noch dazugehören. Doch dann wird er von der Gruppe fast zu Tode geprügelt und als sie einen Motorschaden haben und zu dem 30-jährigen Sigge kommen, eskaliert plötzlich alles ...

Bücher, die das Thema Mobbing behandeln und es von vielen Seiten beleuchten, gehen mir stets besonders nahe, da ich über zehn Jahre lang stark ausgegrenzt wurde und noch heute mit den Nachwirkungen zu kämpfen habe. Mit Martin konnte ich demnach schnell mitfühlen, hat er sich in dieser Geschichte doch bereits mit seiner Opferrolle abgefunden. Er ist ein stiller Junge, der sich im Grunde niemals zur Wehr setzt und alles über sich ergehen lässt. Dies nutzen seine Mitschüler natürlich aus.

Leider geht Kjersti Scheen nur kurz auf die Anfänge des Mobbings ein und verliert in diesem relativ kurzen Jugendbuch schnell den roten Faden. Mal sind wir in der Vergangenheit, mal auf dem Boot und mal in der Gegenwart, in der die Jugendliche plötzlich auf Sigge, der ein Auge auf Susanne wirft, treffen. Martin wirkt dabei nur wie ein Beobachter, der praktisch alles mit sich machen lässt.

Obwohl Mobbing das zentrale Thema ist, steht doch eher Susanne im Fokus der Erzählung. Fredrik, der Anführer der Gruppe hat genau wie Sigge ein Auge auf sie geworden. Wen wundert es, dass auch Martin sich zu ihr hingezogen fühlt? Mit dem Ende dieses Buches und damit auch mit der "Liebesgeschichte" konnte ich, um ehrlich zu sein, relativ wenig anfangen, auch wenn es natürlich sehr schön zeigt, dass meistens auch Täter einfach nur Opfer sind. Alles löst sich am Ende zu schnell und einfach aus und wie es nun wirklich nach diesem einen Tag weitergeht, ist wohl ungewiss ...



"Ein einziger Tag" ist ein Jugendbuch, das sich leider eine Spur zu oberflächlich mit dem Thema Mobbing beschäftig und ein Ende besitzt, das für mich leider nicht ganz stimmig ist ...

Ich vergebe 3 von 5.


Mittwoch, 10. Mai 2023

[Rezension] Märchenmord - Krystyna Kuhn

 


Titel: Märchenmord

Autor:  Krystyna Kuhn

Genre: Jugendthriller
Erscheinungsjahr: 2007
Seitenzahl: 192
Cover: © Arena
Begonnen: 20.04.2023
Beendet: 22.04.2023


Ein junges Mädchen versteckt sich in einer Wohnung vor dem Mann, den sie heiraten soll, obwohl sie in Wahrheit einem anderen liebt. Gina, die die Ferien mit ihrer Mutter in Paris verbringt, beobachtet dieses verzweifelte Mädchen und sieht, wie sie umgebracht wird. Nur will ihr das niemand glauben ...

Die Märchen aus "Tausend und einer Nacht" treffen in diesem Jugendthriller auf "Das Fenster zum Hof". Dabei geht es um die arabische Kultur und Religion, ums Zwangsehen und eben einen Mord an einem Mädchen, das sich in ihren Partner selbst aussuchen will. Krystyna Kuhn greift hier spannende Themen auf, schafft es aber leider nicht so recht, einen echten Thriller aufzubauen.

Die Ausgangslage ist gar nicht mal so schlecht. Gina beobachtet den Mord und niemand glaubt ihr. Plötzlich wird sie von einem Mann auf Schritt und Tritt verfolgt und hat Angst um ihr Leben. Seltsamerweise ist hier aber kaum Gefahr zu spüren, was vielleicht daran liegt, dass sie von Anfang an den Schuhputzer Noah an ihrer Seite hat, der sie beschützt.

Es gibt zum Ende hin noch eine kleine Überraschung, die ich allerdings schon erwartet hatte. Ansonsten ist der Täter von Anfang an klar und er schaufelt sich hier im Grunde selbst sein Grab, indem er sich statt im Hintergrund zu halten viel zu offensichtlich verhält. Dadurch wirkte auf mich doch alles sehr konstruiert und die Angst von Gina war für mich nicht greifbar. Gut zu lesen war das Buch, für mich aber eher einer der schwächsten Jugendthriller aus dem Arenaverlag.


Dieser Jugendthriller besitzt eine interessante Ausgangslage und spannende Themen, verliert sich aber relativ schnell in einer zu konstruierten Geschichte. Gut und leicht zu lesen, aber irgendwie nichts, was in Erinnerung bleibt ...

Ich vergebe 3 von 5.


Montag, 8. Mai 2023

[Rezension] Nachtfahrt - Jan Costin Wagner

  


Titel: Nachtfahrt

Autor:  Jan Costin Wagner

Genre: Roman, Krimi
Erscheinungsjahr: 2006
Seitenzahl: 256
Cover: © Goldmann
Begonnen: 19.04.2023
Beendet: 21.04.2023


Mark Cramer soll eine Biografie über den alternden Schauspieler Carl Fraikin verfassen. In der herrlichen Villa im Süden Frankreichs angekommen, fühlt sich Mark von Anfang an zu Carls deutlich jüngerer Frau hingezogen. So beschließt er kurzerhand, Carl zu töten. Es wäre ja schließlich nicht sein erster Mord ...

Im letzten Jahr war Jan Costin Wagner eine große Entdeckung für mich, denn seine Bücher besitzen Tiefgang, einen einzigartigen Stil und außergewöhnliche Charaktere. So war es kein Wunder, dass ich auch sein Romandebüt "Nachtfahrt" förmlich inhaliert habe. Dabei hat mich das Buch ein wenig an Patricia Highsmiths "Der talentierte Mr. Ripley" erinnert.

Mark ist ein Charakter, der gar nicht so leicht zu durchschauen ist. Schon auf den ersten Seiten setzt er in einem Casino sein gesamtes Geld ein und gewinnt. Hier zeigt sich schön, wie sich Mark immer wieder durchboxt. Er ist ein emotionsloser Spieler, der das Leben verabscheut, alles auf eine Karte setzt und immer wieder Grenzen überschreitet. Dies passiert schließlich auch in der Villa des Schauspielers, in dem Mark oscarverdächtig selbst nur eine Rolle einnimmt.

Jan Costin Wagner hat mit Mark Cramer einen sehr spannenden Charakter erschaffen Er ist kalt, berechnend und steckt gleichzeitig voller Fantasie, für die er in der tristen Realität allerdings keinerlei Verwendung hat.

Große Wendungen oder Überraschungen gibt es in diesem Buch zwar da nicht, aber diese braucht es auch nicht, denn Marks eiskalter Charakter bindet den Leser auch so. Ich würde tatsächlich gerne noch mehr über lesen.


Ich kann kaum glauben, dass "Nachtfahrt" ein Romandebüt ist, handelt es sich hier doch um ein intensives Porträt eines eiskalten Soziopathen, der mordet und dabei nichts empfindet. Ein starkes Werk!

Ich vergebe 5 von 5.


Samstag, 6. Mai 2023

[Rezension] Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst - Wendy Mass

 


Titel: Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst

Autor:  Wendy Mass

Genre: Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2009
Seitenzahl: 352
Cover: © cbj
Begonnen: 17.04.2023
Beendet: 20.04.2023


Jeremy vermisst seinen Vater, der vor ein paar Jahren gestorben ist. Kurz vor seinem dreizehnten Geburtstag bekommt er eine geheimnisvolle Kassette, in der sein Vater ihm den "Sinn des Lebens" hinterlassen hat. Leider fehlen die vier Schlüssel, mit denen sich die Kassette öffnen lässt. So beginnt die verrückte Suche nach den Schlüsseln, dem Sinn des Lebens und der Antwort auf die Frage, ob sich das Schicksal austricksen lässt ...

Allein der Titel hat mich direkt angesprochen und die Autorin hat es bereits auf den ersten Seiten geschafft mich in dieses humorvolle Abenteuer mit hineinzuziehen. Jeremy, der so gut wie nie aus seinem gewohnten Umfeld herauskommt, wird von seiner besten Freundin Lizzy und der geheimnisvollen Kassette endlich motiviert, seine Komfortzone zu verlassen.

Auf der Suche nach den Schlüsseln brechen die beiden Freunde bei einem Anwalt ein, bekommen dadurch Sozialstunden aufgebrummt und landen bei dem Pfandleiher/Antiquitätenhändler Mr. Oswald, der Ihnen die Aufgabe gibt, gewisse Dinge zu Ihren ehemaligen Besitzern zurückzubringen. Dadurch kommen sie mit vielen Menschen in Kontakt und erfahren, dass es auf die Frage nach dem Sinn des Lebens keine universelle sondern nur eine individuelle Antwort gibt.

In diesem Buch geht es natürlich auch um das Schicksal und den eigenen Antrieb. Jeremy erkennt plötzlich, wie schön und vor allem groß die Welt ist. Gemeinsam mit Lizzy erlebt er viele kleine und auch große Abenteuer, die zu unterhalten wissen und gleichzeitig auf sehr leichte Weise zum Nachdenken anregen. Diese Leichtigkeit war es auch, die mich bei diesem Buch sehr beeindruckt hat. Letztendlich geht es darum, das Leben zu genießen, schöne Erinnerungen zu sammeln und sich über all die positiven Dinge zu erfreuen, die tagtäglich passieren! Genau dieses Lebensgefühl verströmt dieser Roman, der am Ende auch noch eine witzige Wendung bereithält!


Ein Jugendroman, der sich auf lockere und sehr leichte Art mit dem Sinn des Lebens beschäftigt und zwei Freunde auf ein witziges Abenteuer schickt! Für mich ein Buch, das sehr schön zeigt, wie wichtig ist es, dass jeder sein eigenes Glück findet!

Ich vergebe 5 von 5.



Donnerstag, 4. Mai 2023

[Rezension] Der Schatten - Melanie Raabe


  Titel: Der Schatten

Autor:  Melanie Raabe

Genre: Thriller
Erscheinungsjahr: 2018
Seitenzahl: 416
Cover: © btb
Begonnen: 13.04.2023
Beendet: 17.04.2023


Norah, die gerade erst nach Wien gezogen ist, trifft eine Bettlerin, die ihr eine dunkle Prophezeiung an den Kopf knallt. Angeblich soll Norah am 11. Februar einen Mann namens Arthur Grimm aus freien Stücken töten. Plötzlich geschehen einige unerklärliche Dinge in Norahs Leben und sie erinnert sich an ihre beste Freundin aus Jugendtagen, die sich am 11. Februar das Leben nahm ...

Mir gefallen die Thriller von Melanie Raabe sehr. Mit Begeisterung habe ich bereits "Die Falle" gelesen und ein Hörspiel zu einem ihrer Werke gehört. Vom Aufbau sind ihre Bücher sehr einfach und komme  mit kurzen Beschreibungen aus, wodurch ich auch hier direkt ins Geschehen katapultiert wurde. Der Leser muss hier mit Norah gemeinsam herausfinden, was hinter der dunklen Prophezeiung steckt.

Norah ist selbst ist sehr rätselhaft, da schnell klar wird, dass sie gewisse Dinge im Verborgenen lässt. So wird auch die Geschichte ihrer toten Freundin Valerie nur Häppchenweise offenbart. Die Vor- beziehungsweise Hintergrundgeschichten in Raabes Bücher gefallen mir immer am meisten. Hier hätte sie aber gerne noch etwas tiefgründiger und intensiver sein können. Auch Norah selbst war mir nicht besonders sympathisch, was für mich aber auch zur Story gepasst hat, da ich sie dadurch stets in Frage gestellt habe.

Ich bin nur so durch die Seiten geflogen und mochte auch die Auflösung, auch wenn ich an einem gewissen Punkt bereits in diese Richtung gedacht habe. Die Autorin beschäftigt sich mit der Frage, ob wir nicht alle zum Mörder werden können. Es passt alles zusammen und ist gut konstruiert. Vielleicht war es auch eine Spur zu konstruiert, denn in der Realität würde das alles in der Form wohl nicht funktionieren. Aber das ist wohl auch das Gute an Büchern, in ihnen ist alles möglich ...


"Der Schatten" ist ein spannender Psychothriller, der sich mit der Frage beschäftigt, ob nicht jeder zum Mörder werden kann. Spannend und fesselnd, wenn auch vielleicht eine Spur zu konstruiert und dadurch gerade am Ende zu flach.

Ich vergebe 4 von 5.


Dienstag, 2. Mai 2023

[Rezension] David Copperfield - Charles Dickens


 Titel: David Copperfield 

Autor:  Charles Dickens

Genre: Roman, Klassiker
Erscheinungsjahr: 1982
Seitenzahl: 802
Cover: © Diogenes
Begonnen: 12.04.2023
Beendet: 19.04.2023


Schon vor Davids Geburt stirbt sein Vater. Seine Mutter ist so jung und zu unsicher, dass sie sich in eine neue Ehe stürzt. Dort fängt es an, dass sich David nicht mehr geliebt fühlt und schließlich lange braucht, um seinen Platz in dieser Welt zu finden.

Von Charles Dickens habe ich vor einigen Jahren bereits "Oliver Twist" gelesen und sehr gemocht. Schon vor einem guten Jahr fiel mir nun der zum Teil autobiographische und mit knapp 800 Seiten sehr umfangreiche Roman rund um David Copperfields Lebensgeschichte in die Hände. Das Buch ist dabei in erster Linie ein Beschreibung der damaligen Gesellschaft mit all ihren Schattenseiten und Fehlern. David wird zum Waisenkind und irrt umher, nur um immer wieder Hürden zu meistern und schließlich selbst für seinen Wohlstand zu sorgen.

Für mich war "David Copperfield" leider eine sehr große Herausforderung und teilweise habe ich mich durch die Geschichte durchkämpfen müssen. Es brauchte eine Weile bis ich mich an den Schreibstil und vor allem auch die Sprache gewöhnt habe. Unter Druck gesetzt hat mich dabei auch die Tatsache, dass ich eine Ausgabe gefunden habe, die der Vorbesitzer eindeutig sehr geliebt und mit zahlreichen Kommentaren und Unterstreichungen versehen hat.

Als ich endlich in der Geschichte angekommen war, wurde David Copperfield bereiits erwachsen und musste sich mit seiner Ausbildung, seiner Heirat und auch mit einigen Intrigen herumschlagen. Es ist ein Leben voller Höhen und Tiefen, das Charles Dickens hier beschreibt und das ist wohl auch der Grund, warum dieser Klassiker noch immer so beliebt ist. Mich hat er in eine Gesellschaft katapultiert, die genau wie die heutige aus zu vielen Regeln und Erwartungen besteht und die deutlich aufzeigt, dass man sich entweder anzupassen hat oder aber gnadenlos untergeht.

Ich muss in dieser Rezension ehrlich sein und kann nur sagen, dass mich dieser Klassiker nur teilweise begeistern konnte. Die Sprache war mir zu anstrengend, die Handlung oft zu sehr in die Länge gezogen und die Erwachsenenjahre Davids waren mir teilweise zu eintönig. Sicherlich gibt Charles Dickens hier einen guten Einblick in die damalige Zeit und auch in sein eigenes Leben, aber ich konnte keine echte Beziehung zu den Charakteren aufbauen ..


"David Copperfield" war für mich leider eine große Herausforderung. Ich musste mich durch die knapp 800 Seiten durchkämpfen, die zwar einen guten Einblick in die damalige Zeit bieten, aber mir teilweise doch sehr zäh vorkamen ... 

Ich vergebe 3 von 5.