Samstag, 10. Juli 2021

[Rezension] Asphalt Tribe - Morton Rhue

 


Titel: Asphalt Tribe

Autor:  Morton Rhue
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 2005
Anzahl der Seiten: 219
Cover und Inhalsangabe: © Ravensburger

Begonnen: 01.06.2021
Beendet: 02.06.2021


"Sie sind zu acht und sie nennen sich „Asphalt Tribe“, ein Stamm, der auf den Straßen New Yorks zu überleben versucht. Rainbow, die an der Nadel hängt, und der Anarchist Maggot, 2Moro und Jewel, die sich auf dem Strich den Rausch der Clubnächte verdienen, OG und sein Hund Pest, die kleine Tears und Maybe, die Berichterstatterin.
Maybe erzählt von Kälte und Hunger, von Sozialarbeitern und Zuhältern, von durchtanzten Nächten und durchschlafenen Tagen, von Stolz und Erniedrigung.
Doch der Preis der Freiheit ist hoch und fordert tödlichen Tribut."


An einem Tag, an dem ich eine lange 27-Kilometer-Wanderung gemacht habe, kam ich an einem Bücherschrank vorbei und fand mal wieder ein Buch von Morton Rhue, das zudem auch sehr gut zu meinem aktuellen Lebensstil passt. Auf der Wanderung habe ich direkt einmal hineingelesen und dabei gemerkt, wie nahe mir die Story geht und wie sehr sie mich stellenweise doch getriggert hat ...

"Asphalt Tribe" nennen sich die Straßenkinder, die hier im eiskalten Winter versuchen, irgendwie zu überleben. Aus der Sicht von Maybe nehmen wir die Ereignisse wahr, die von Morton Rhue sehr schonungslos in Szene gesetzt werden. So geht es vordergründig um den Tod, den keins der Kinder und Jugendlichen noch schockiert. Ihre Freunde sterben und sie wissen selbst, dass sie vermutlich auch nicht allzu lange überleben werden. Da sich aber niemand um sie sorgt, haben sie sich selbst ebenfalls aufgegeben.

Ich war verblüfft, wie sehr ich mich doch mit den Gedanken der Kinder und Jugendlichen identifizieren konnte. Gelungen fand ich, dass der Autor hier niemanden anklagt oder verurteilt, sondern ehrlich aufzeigt, wie das Leben verlaufen kann. Er bringt das nötige Verständnis mit, zeichnet aber auch Situationen auf, in denen Menschen dieses eben nicht haben.

Ich habe sehr lange über das Buch nachgedacht, sehr viel mit Maybe und den anderen mitgelitten und zeitgleich wieder einmal erkannt, wie fehlerhaft unser System ist. Das liegt wahrscheinlich daran, das es nur ein einziges System gibt, es sind kaum Alternativen vorhanden und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Straßenkinder Hilfsangebote abschlagen. Sie werden (wie wir alle) einfach nur vor die eine Wahl gestellt: Pass dich an oder werde vergessen! Wäre es nicht schön, wenn die Welt bunter und vielseitiger wäre? Verständnisvoller? Und auch weniger darauf orientiert, was der Normalzustand sein sollte, der einen schon in der Schulzeit eingetrichtert wird? 

Ich denke "Asphalt Tribe" kann auf mehrere Arten gelesen werden. Auf jeden Fall ist es aber ein Buch, vor dem man nicht die Augen verschließen kann, ganz gleich, welche Entscheidungen man für das eigene Leben getroffen hat. Für mich daher nach wie vor sehr aktuell, denn seien wir mal ehrlich: es hat sich bis heute reichlich wenig verändert und es wird sich auch nichts ändern ...



Mich persönlich hat "Asphalt Tribe" bvon Morton Rhue nicht nur mitgenommen, sondern auch getriggert. Es ist ein schonunsgloses und sehr ehrliches Werk, das zeigt, wie sehr unsere Welt einen Wandel braucht, aber wohl nie bekommen wird ...

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.



Donnerstag, 8. Juli 2021

[Rezension] Sag, es tut dir leid - Michael Robotham

 


Titel: Sag es tut dir leid

Autor:  Michael Robotham
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 2020
Anzahl der Seiten: 345
Cover und Inhalsangabe: © Bild am Sonntag

Begonnen: 31.05.2021
Beendet: 03.06.2021


"Als Piper Hadley und ihre Freundin Tash McBain spurlos verschwinden, ahnt niemand, dass sie entführt wurden. Erst nach drei Jahren gelingt Tash die Flucht. Doch sie kommt nie zu Hause an. Dann wird eine Leiche in einem zugefrorenen See entdeckt. Handelt es sich um eines der Mädchen? Der Psychologe Joe O’Loughlin soll helfen, den Täter zu finden. Was er nicht weiß: Piper kauert währenddessen in ihrem Verlies und hofft verzweifelt auf Rettung. Denn der Mann, der sie in seiner Gewalt hat, ist in seinem Wahn zu allem fähig."


Ich habe mittlerweile schon einige Bücher von Michael Robotham gelesen. Der Psychologe Joe O’Loughlin ist hierbei mit seinem Scharfsinn, aber auch seiner Parkinson-Erkrankung ein sehr interessanter "Ermittler", der hier immer wieder von der Polizei beauftragt wird, sich in mögliche Täter hineinzuversetzen.

In "Sag es tut dir leid" geht es um die Entführung zweier Mädchen. Eines kann fliehen, wird jedoch tot in einem See aufgefunden. Nun rennt der Polizei die Zeit davon, denn der Entführer ist nach Tashs Flucht alles andere als begeistert und nun bekommt Piper seine Wut zu spüren ...

Zum einen ist der Leser nun dabei, wie Joe O’Loughlin plötzlich in einen Fall hineingezogen wird, der auf den ersten Blick überhaupt nichts mit den entführten Mädchen zu tun hat.. Die wirklich starken Momente dieses Thrillers sind allerdings in den Abschnitten aus Pipers Sicht zu finden, denn hier wird deutlich, wie Tash und sie von dem Entführer behandelt werden. Hier musste ich beim Lesen einige Male schlucken. Die Spannung, die Michael Robotham hier erzeugt, ist wirklich gelungen.

Auf der anderen Seite gehen die Ermittlungen stellenweise doch sehr schleppend voran. Interessant ist es dennoch, wie Joe O’Loughlin sich langsam herantastet und dabei einige psychologische Profile erstellt. Dem Täter selbst kommt er allerdings recht spät auf die Spur. Ich mochte es, wie hier verschiedene Leute befragt werden und damit in den Fokus rückt. So gibt es einige Tatverdächtige. Der Täter selbst hat mich auf jeden Fall überraschen können, aber ich war mir am Ende nicht sicher, ob es  auch wirklich logisch ist, dass gerade diese Person dahintersteckt. Ich hätte hier auch gerne noch ein paar Hintergrundinformationen oder auch eine psychologische Betrachtung seiner Motivation erhalten, denn so wirkt es leider nur so, als wollte der Autor einfach nur eine Randfigur als Täter präsentieren, die natürlich kein Leser auf dem Schirm hatte ... Nichtsdestotrotz aber ein solider und durchaus spannender Thriller!


"Sag es tut die leid" ist durch die zwei Perspektiven auf jeden Fall ein mitreißender Thriller, der für mich zwar ein paar Längen hatte und mich von der Auflösung nicht komplett überzeugen konnte, mir aber dennoch ein paar fesselnde Lesestunden verschafft hat.

Ich vergebe 4 von 5.



Dienstag, 6. Juli 2021

[Rezension] Nur noch ein einziges Mal - Colleen Hoover

 


Titel: Nur noch ein einziges Mal

Autor:  Colleen Hoover
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 10. November 2017
Anzahl der Seiten: 412
Cover und Inhalsangabe: © dtv

Begonnen: 27.05.2021
Beendet: 29.05.2021


"Als Lily Ryle kennenlernt, scheinen all ihre Träume wahr zu werden: eine neue Stadt, der erste Job und dann noch Ryle – überaus attraktiv, überaus wohlhabend und überaus erfolgreich. Vergessen scheint Lilys schwierige Kindheit. Vergessen auch Atlas, ihre erste Liebe, der gegenüber von Lily squattete – bis ihr Vater die beiden erwischte und Atlas von heute auf morgen verschwand. Und dann steht Atlas auf einmal vor ihr. Als Ryle von ihrer gemeinsamen Vorgeschichte erfährt, weckt dies seine Eifersucht …"


Colleen Hoover hat mich mit ihren Büchern nun schon etliche Male berühren können und so habe ich mal wieder zu einer ihrer Geschichten gegriffen. Dass auch hier alles anders ist, als es auf den ersten Blick scheint, war für mich von Anfang an klar, ich war aber nicht darauf vorbereitet, in welche Richtung sich das Buch schließlich entwickelt.

"Nur noch ein einziges Mal" beginnt wie eine eine normale Lovestory. Wir haben hier Lily, die auf dem Dach den angehenden Neurochirurgen Ryle kennenlernt, der ganz offen heraus sagt, dass er eigentlich nur Sex von ihr will und nicht auf feste Beziehungen steht. Lily fühlt sich zwar zu ihm hingezogen, ist sich aber zu schade für einen One Night Stand. So trennen sich ihre Wege, doch kreuzen sich schließlich wieder, als Ryle erkennt, dass er sich für Lily ändern will ...

Ryle kam mir von den ersten Seiten wie der typische Bad Boy vor und ich muss sagen, dass ich gar nicht so recht verstehen konnte, was Lily an ihm so toll fand. Zum Glück gibt es noch eine weitere Liebesgeschichte aus Lilys Jugend. Dort war sie nämlich in Atlas verliebt, einem Jungen, der kein Zuhause hatte und den sie monatelang geholfen hat. Dies Jugendgeschichte, dir mithilfe von Briefen/Tagebucheinträgen erzählt wird, hat mich wirklich berührt.

Überraschend fand ich, dass sich doch ab einem gewissen Punkt alles ganz anders entwickelt als anfangs vermutet. Colleen Hoover spricht hier ein sehr ernstes Thema an, von dem leider viele Frauen betroffen sind. Ich möchte an dieser Stelle nur ungern Spoilern, denn es handelt sich hier doch um einen großen Wendepunkt in der Geschichte.

Lily selbst kam mir hier unglaublich stark vor und ich denke, sie gibt auch ein gutes Beispiel hat, wie solche Art von Beziehungen oft verlaufen. Das Buch war für mich Mal wieder eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle. Es gab wieder viele Sexszenen, die für mich aber zur Geschichte gepasst haben und auch die Charaktere, die alle sehr erfolgreich und selbstständig sind, waren für mich nicht allzu übertrieben dargestellt. Zum Ende habe ich auch mal wieder ein paar Tränen vergossen. Dies bin ich mittlerweile aber von Colleen Hoover gewöhnt.


Ein starker Roman, der ein sehr ernstes Thema behandelt und aufzeigt, wie wichtig es ist, sich in gewissen Situationen selbst zu schützen ... Auch dieses Werk konnte mich berühren und unterhalten.

Ich vergebe 5 von 5.







Sonntag, 4. Juli 2021

[Rezension] Die Bildhauerin - Minette Walters

 


Titel: Die Bildhauerin

Autor:  Minette Walters
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1. Januar 1997
Anzahl der Seiten: 416
Cover und Inhalsangabe: © Goldmann

Begonnen: 26.05.2021
Beendet: 28.05.2021


"Lediglich den auf Druck ihres Verlegers hin besucht die Londoner Journalistin Rosalind Leigh die Inhaftierte Olive Martin auf, die verurteilt wurde, weil sie gestand, Mutter und Schwester brutal ermordet zu haben. Bei ihrem Besuch ist die Journalistin mehr und mehr fasziniert von der "Bildhauerin", die im Zuchthaus für ihre Tobsuchtsanfälle bekannt ist und auch dafür, dass sie ununterbrochen Figuren knetet und mit langen Nadeln spickt. Da Leigh den Eindruck hat, dass die Inhaftierte, die selbst immer wieder ihre Schuld betont, lügt, stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an und stößt auf so manche Ungereimtheiten, auch im Hinblick auf die Arbeit der Polizei im entsprechenden Fall."


Ich habe endlich mein erstes Buch von Minette Walters aus dem Bücherschrank gefischt. Bei "Die Bildhauerin" handelt es sich um einen Roman, der sich stellenweise allerdings wie ein Krimi liest - geht es für eine Journalistin doch darum, die Wahrheit über einen grauenvollen Mord herauszufinden.

Der Fall selbst hat mich leicht an "Lizzie Borden" erinnert, haben wir hier doch eine Mörderin, die angeblich ihre Mutter und ihre Schwester ermordet und anschließend bestialisch zerstückelt haben soll. Am Anfang geht es auch wie in "Hannibal" zu, denn Rosalind geht hier ins Zuchthaus und spricht mit der doch sehr intelligenten Olive, in der alle aufgrund ihrer Fettleibigkeit ein echtes Monster sehen. Hier liegen mir beim Lesen einige Schauer über den Rücken, denn Olive ist ein sehr vielschichtiger Charakter, der sich einfach nicht in die Karten schauen lässt.

Für mich war der Anfang allerdings hier der stärkste Teil dieses Romans. Die Morde werden geschildert, genau wie auch Olives aktuelles Leben im Zuchthaus, in dem ihr einziger Trost die Tonfiguren sind, die sie bastelt und wie kleine Vodoopuppen behandelt.

Die Journalistin Rosalind spricht mit Personen, die Olive kannten und dabei wird recht schnell deutlich, dass die Menschen immer nur das sehen, was sie sehen wollen. Sie geben sich mit einer kurzen Erklärung zufrieden und wollen lieber nichts über die wahren Hintergründe erfahren. So steht hier Olive als Schuldige für fast alle fest und erst durch Rosalinds energischen Nachforschen kommt dir Wahrheit ans Licht.

Minette Walters nimmt sich hier einem sehr interessanten Thema an und hat in Olive wirklich eine vielschichtige Person erschaffen, die der Leser sehr gerne ergründet. Da das Buch fast ausschließlich aus Gesprächen mit den einzelnen Personen besteht, ist es allerdings sehr ruhig und gerade zum Ende, als sich die Autorin der Auflösung nähert, flacht die Handlung etwas ab, was sicherlich auch an der Auflösung lag, die mich nicht ganz zufrieden stellen konnte. Auch die Liebesgeschichte hätte ich hier nicht gebraucht ...



Mein allererstes Buch von Minette Walters hat mich auf jeden Fall gut unterhalten, auch wenn ich den Anfang hier deutlich stärker fand als das Ende. Ich werde definitiv noch weiter Bücher der Autorin lesen und hoffe, dort ähnlich vielschichtige Personen wie Olive Martin zu finden.

Ich vergebe 4 von 5.






Freitag, 2. Juli 2021

[Rezension] Das Mädchen mit dem Edelweiß - Jillian Cantor

 


Titel: Das Mädchen mit den Edelweiß

Autor:  Jillian Cantor
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 10. September 2018
Anzahl der Seiten: 401
Cover und Inhalsangabe: © Heyne

Begonnen: 25.05.2021
Beendet: 27.05.2021


"Schon als Kind war Katie mit ihrem Vater auf Flohmärkten, um nach Briefmarken zu suchen. Immer hoffte er, eines Tages einen ganz besonderen Schatz unter ihnen zu finden. Doch daran erinnert er sich schon lange nicht mehr. Um ihrem an Alzheimer erkrankten Vater eine Freude zu bereiten, bringt Katie seine Sammlung zu dem Philatelist Benjamin. Er soll herausfinden, ob sich unter den vielen Marken eine ganz besondere befindet. Und tatsächlich entdeckt Benjamin einen ungeöffneten Brief, der mit einer seltenen Briefmarke aus den Dreißigerjahren versehen ist. Darauf zu sehen: der Stephansdom, in den ein Edelweiß eingelassen ist. Katie und Benjamin beschließen, dem Geheimnis des Briefs auf die Spur zu gehen und dessen Adressaten zu finden. Doch was sie nicht ahnen: Ihre Suche wird sie ins Österreich des Jahres 1938 führen. An den Ort, wo ein junges Paar sich einst begegnete und sich ewige Liebe versprach."


Katie will bringt die Briefmarkensammlung ihres Vaters zu einem Sammler, der den Wert schätzen und schauen soll, ob sich darunter ein Schatz befindet. So stößt sie auf eine seltsame Briefmarke mit einer winzigen Blume und schließlich auf eine alte (Liebes-)Geschichte, die sich in Österreich im Jahre 1938 zugetragen hat. 

Jillian Cantor gibt hier in beiden Zeitebenen interessante Einblicke in die Welt der Briefmarken, die alles andere als langweilig ist. Im Jahre 1938 begegnen wir Christoph, der eine Lehre bei einem Briefmarkengraveur macht und sich schließlich verliebt. In der Gegenwart befinden wir uns passenderweise im Jahr des Mauerfalls und erleben mit, wie Katie mehr über die gefundene Marke herausfinden will und dabei einiges über den damaligen Wiederstand erfährt. 

Ich fand es interessant, mehr über die Herstellung von Briefmarken und ihre Bedeutung während des Krieges zu erfahren. Spannend war es zu sehen, wie sie benutzt wurden, um geheime Botschaften zu übermitteln. Auch der Wiederstand innerhalb des von den Deutschen besetzten Österreichs spielt in diesem Roman eine wichtige Rolle. Zentral geht es in "Das Mädchen mit dem Edelweiß" allerdings um eine große und auch erst einmal tragisch endende Liebesgeschichte.

Das Buch habe ich aufgrund des sehr einfachen Stils innerhalb weniger Tage gelesen. Die Charaktere sind gut gezeichnet und die Geschichte verliert zu keinem Zeitpunkt seinen Reiz, allerdings wird für Vielleser in diesem Genre sicherlich schnell klar, wo sich die Parallelen beider Zeitstränge befinden. So war das Ende für mich keine große Überraschung, ich muss allerdings sagen, dass ich nicht so recht nachvollziehen kann, warum eine gewisse Person nicht selbst Nachforschungen angestellt hat, um ihre Liebsten zu finden ... Das Happy End passt zum Roman, war mir persönlich aber etwas zu dick aufgetragen. Ich hätte gerne noch mehr von den düsteren Seiten des Krieges gespürt ...


"Das Mädchen mit dem Edelweiß" ist eine wunderbar leichte Liebesgeschichte, die in die Welt der Briefmarken entführt und wirklich gut zu unterhalten weiß. Ich hätte mir aber noch ein paar mehr Überraschungen gewünscht, denn es ist doch relativ schnell klar, wohin hier die Reise gehen wird ...

Ich vergebe 4 von 5.








Mittwoch, 30. Juni 2021

[Rezension] Das glühende Grab - Yrsa Sigurdardóttir

 


Titel: Das glühende Grab

Autor:  Yrsa Sigurdardóttir
Genre: Krimi
Erscheinungsdatum: 2008
Anzahl der Seiten: 368
Cover und Inhalsangabe: © btb

Begonnen: 22.05.2021
Beendet: 26.05.2021


"Auf den isländischen Westmännerinseln werden bei Ausgrabungen drei Leichen und ein abgetrennter Kopf gefunden. Sie liegen im Keller des Elternhauses von Markús Magnússon, das bei einem Vulkanausbruch vor mehr als dreißig Jahren verschüttet wurde. Da Markús die Ausgrabung vorher unbedingt verhindern wollte, steht er plötzlich unter Mordverdacht: Hat er als Jugendlicher drei Menschen getötet und verstümmelt? Rechtsanwältin Dóra Gudmundsdóttir glaubt an seine Unschuld. Doch dann wird eine weitere Leiche entdeckt ..."


Nachdem ich nun schon einige Island-Thriller von Yrsa Sigurdardóttir gelesen habe, war ich nun gespannt auf einen der Krimis aus der Reihe rund um die Rechtsanwältin Dóra Gudmundsdóttir. Begonnen habe ich durch einen zufälligen Bücherschrankfund mit dem dritten Band, der sich aber auch ohne Vorwissen lesen lässt.

Die Ausgangslage ist hier wirklich sehr spannend, denn in dem durch einen Vulkanausbruch verschütteten und nun ausgegrabenen Elternhaus eines Mandanten von Dóra werden drei Leichen und ein abgetrennter Kopf gefunden. Kurz darauf gibt es eine Tote und die Frage ist, wie das alles zusammenpasst. Hat Markus, der damals noch ein Teenager war, etwas damit zu tun? Oder steckt da doch seine Jugendliebe dahinter, die ihn gebeten hat, eine Kiste aufzubewahren, in der nun ein abgetrennter Kopf gefunden wurde?

Der Stil der Autorin ist auch hier wieder sehr einfach, doch ich habe sehr schnell erkannt, dass ihre Krimis nicht mit ihren Thrillern vergleichbar sind. Es gibt zwar wieder einige Perspektiven, aus denen das Geschehen geschildert wird, aber die doch sehr unbeholfene Dóra mit ihrer Spurensuche steht hier im Fokus. Ich fand Dóra auf der einen Seite echt interessant, denn sie ist doch anders als man sich eine Rechtsanwältin vorstellt, doch auf der anderen ging sie mir mit ihrer doch sehr naiven und chaotischen Art, ihrem recht oberflächlichen Denken und den ständig gleichen Gedankengängen irgendwann auf die Nerven. Sie ist leider kein Buchcharakter, den ich noch einmal treffen wollen würde. Auch ihr Humor wirkte auf mich sehr deplatziert. Allgemein hat sich das Buch für mich sehr lieblos angefühlt, dabei war bei einigen Charakteren, wie beispielsweise der magersüchtigen Tinna jede Menge Potenzial vorhanden.

Leider hat mich "Das glühende Grab" ab einem gewissen Punkt wirklich stark gelangweilt. So sehr, dass ich beim Lesen im Auto einige Male eingenickt bin, was mir für gewöhnlich nicht passiert. Die Ausgangslage wird viel zu oft durchgekaut und die Nachforschungen kommen nur schleppend voran. Nebensächliches wird benutzt, um die Geschichte zu strecken und dabei gibt es leider kaum Spannung.  Yrsa Sigurdardóttir sonst so perfekt gesetzte Cliffhanger gab es hier kaum und auch Wendungen oder Überraschungen besitzt die Geschichte nicht. So hat mich die letztendliche Auflösung furchtbar enttäuscht ...

Mein erster und wohl auch letzter Krimi aus der Feder von Yrsa Sigurdardóttir, die mich mit ihren Thriller begeistern konnte, hier aber doch für unfassbar viel Langeweile gesorgt hat ...

Ich vergebe 2 von 5.




Montag, 28. Juni 2021

[Rezension] Fräulein Niemand - Tomek Tryzna

 


Titel: Fräulein Niemand

Autor:  Tomek Tryzna
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1999
Anzahl der Seiten: 334
Cover und Inhalsangabe: © btb Verlag
Begonnen: 19.05.2021
Beendet: 21.05.2021


"Kurz vor dem Hauptschulabschluß wechselt Marysia die Schule, der Vater hat in der Stadt einen besseren Job gefunden. Das Mädchen vom Lande freundet sich mit der Aussenseiterin Kasia an. Doch dann bricht Kasia plötzlich den Kontakt ab, und die schöne Ewa aus neureichem Elternhaus, die weiß, wie man Geld ausgibt und Männer um den Verstand bringt, wendet sich Marysia zu. Für Marysia tut sich eine vollkommen neue Welt auf..."


Ich bin immer wieder glücklich, wenn ich in einem öffentlichen Bücherschrank ein Werk entdecke, das sich direkt beim Lesen schon als großer Schatz entpuppt. "Fräulein Niemand" von Tomek Tryzna hat schon beim Betrachten des Covers und Titels eine Menge in mir ausgelöst, fühle ich mich doch selbst oft wie ein "Niemand". Mit einem solch intensiven Leseerlebnis hatte ich allerdings nicht gerechnet.

"Fräulein Niemand" ist die Geschichte von Marysia, die mit ihrer Familie umzieht und plötzlich ein ganz anderes Leben führt. Zuvor waren sie so ärmlich, dass sie sich alle ein schäbiges Zimmer teilen müssten, nun wohnen sie in einem Hochhaus mit eigenem Badezimmer. Auch in der Schule ist für Marysia alles anders, sie versteht die Scherze ihrer Mitschüler nicht und ist verloren. Doch dann freundet sie sich mit Kasia an, die eine dunkle Seite in ihr zutage bringt ...

Kasia war hier für mich ein unfassbar interessanter und vielschichtiger Charakter. Sie ist, wie viele Teenager wohl auch, sehr verloren und innerlich gerissen, hat sogar eine Art Dämon, der ihr Dinge befehlt. Sie verändert die Anfangs so schüchterne Marysia nicht nur, nein, sie formt sie ganz neu. Als Kasia plötzlich verschwindet und sich Marysia mit Ewa anfreundet, wird deutlich, wie das eigene Umfeld einen Menschen verändern kann. Der Geschmack der Freiheit wird zur Sucht, die eigenen Vorstellungen verändern sich und zwischen gut und böse gibt es keine Grenzen mehr.

Für mich war "Fräulein Niemand" ein Buch, das zeigt, wie toxisch Freundschaften werden können, wie schnell man sich emotional abhängig macht und wie leicht man sich doch vom Weg abbringen lässt. Tomek Tryzna hat einen wunderbaren Schreibstil, erschafft viele Bilder und taucht gleichzeitig in die Tiefe. Dabei geht kratzt er an der Psyche seiner Charaktere, wodurch es beim Lesen an einigen Stellen furchtbar schmerzt. 

Der Autor zeigt hier eine Spaltung auf, die sicherlich nicht nur in der polnischen Gesellschaft vorhanden ist. Es geht um das Erwachsenwerden innerhalb eines Systems, das Fehler aufweist, aber dennoch Perfektion verlangt. Für mich ist "Fräulein Niemand" ein unfassbar starkes Werk, das mich teilweise schockiert, teilweise gelähmt und auf jeder einzelnen Seite zum Nachdenken gebracht hat. Eins meiner Lieblingsbücher!


"Fräulein Niemand" ist ein unfassbar starkes Werk über Freundschaft, Abhängigkeit und den Druck einer Gesellschaft, die keinerlei Fehler verzeiht. Für mich definitiv ein Must-Read und nun eins meiner Lieblingsbücher.

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.