Freitag, 30. März 2018

[Rezension] The Woman in the Window - A. J. Finn

Titel: The Woman in the Window
Autor:  A. J. Finn
Genre: Psychothriller, Thriller
Erscheinungsdatum: 19. März 2018
Anzahl der Seiten: 544
Cover und Inhaltsangabe © Blanvalet

"Anna Fox lebt allein. Ihr schönes großes Haus in New York wirkt leer. Trotzdem verlässt sie nach einem traumatischen Erlebnis ihre vier Wände nicht mehr. Anna verbringt ihre Tage damit, mit Fremden online zu chatten, zu viel zu trinken – und ihre Nachbarn durchs Fenster zu beobachten. Bis eines Tages die Russels ins Haus gegenüber einziehen – Vater, Mutter und Sohn. Bei dem Anblick vermisst Anna mehr denn je ihr früheres Leben, vor allem, als die neue Nachbarin sie besucht. Kurze Zeit später wird sie Zeugin eines brutalen Überfalls. Sie will helfen. Doch sie traut sich nach wie vor nicht, das Haus zu verlassen. Die Panik holt sie ein. Ihr wird schwarz vor Augen. Als sie aus ihrer Ohnmacht erwacht, will ihr niemand glauben. Angeblich ist nichts passiert ..."




Wie viele Bücher mit einem englischen Titel habe ich jetzt bereits gelesen? Langsam aber sicher verliere ich den Überblick darüber. Dennoch ziehen mich diese Titel immer wieder an.

Hier gibt es natürlich gleich die Anspielung zu Alfred Hitchcocks "Das Fenster zum Hof". Die Story hat auf jeden Fall die gleiche Grundthematik, allerdings geht es hier doch mehr in die Psychothriller-Richtung und Annas eigener Konflikt steht im Zentrum des ganzen Geschehens.

Interessant ist auf jeden Fall die Nähe, die der Autor hier zu seiner Protagonistin erschaffen hat. Als Leser schlüpfen wir praktisch in ihre Haut, erleben das, was sie erlebt und sehen eben nur das, was sie auch sieht. Dies lässt uns tief in ihre Psyche eintauchen und wir müssen mit ihr gemeinsam Stück für Stück die Wahrheit entschlüsseln.

"The Woman in the Window" ist kein herkömmlicher Thriller. Er besitzt eher eine ruhige Spannung und legt den Augenmerk viel mehr auf die Protagonistin, als auf die Story rund um das Nachbarhaus ...




- Anna Fox -

Anna leidet an Agoraphobie - Sie hat also Angst vor offenen Flächen und Menschenmassen, weswegen ich mich ebenfalls gut in sie hineinversetzen konnte. Ich lebe ja auch sehr zurückgezogen und solche Panikattacken, die Anna hier erleidet, kenne ich nur zu gut.

Anna verlässt also ihr Haus nicht mehr. Ihre Tage verbringt sie mit Schwarz-Weiß-Filmen, Online-Schachspielen und einem Forum für Gleichgesinnte im Internet. Dort therapiert sie andere Leute, denn zuvor war sie selbst als Kinderpsychologin tätig und nutzt ihr Wissen jetzt, um andere u unterstützen. Nur sie selbst schafft es nicht, sich aus dieser düsteren Phase zu befreien.

Sie muss verschiedenste Medikamente nehmen, doch hinzu kommt, dass sie schon morgens Alkohol dringt. Medikamente und Alkohol sind keine gute Mischung, das merkt auch der Leser, der zwar alles mit Annas Augen sieht, allerdings auch an ihrer Glaubhaftigkeit zweifelt.

Mir tat Anna auf jeden Fall leid. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen und ihre Ängste am eigenen Leib spüren. Ihre Geschichte ist mir nahe gegangen, zumal wir schnell merken, wie einsam sie durch die ganze Situation geworden ist.




"The Woman in the Window" verbannt den Leser erst einmal in ein dunkles Haus, das Haus von Anna Fox, das sie seit über 10 Monaten schon nicht mehr verlassen hat. Sie hat sich arrangiert, bekommt Hilfe von ihrem Untermieter David und besorgt sonst alles Nötige übers Internet.

Heimlich beobachtet sie mit ihrer Kamera das Leben der Nachbarn, um überhaupt etwas von dem Leben dort draußen zu erfahren. Dabei stößt sie auf so manche Geheimnisse und leider dann auch auf einen Mord - blöd nur, dass ihr das niemand glauben will ...

Aber zurück zum Anfang: Dieser ist nämlich erst einmal recht ruhig gehalten. Wir lernen erst einmal Anna kennen, die ganz allein und fern ihres Mannes und ihrer Tochter in einem großen Haus lebt. Sie war zuvor Kinderpsychologin, doch durch einen traumatischen Vorfall leidet sie nun an Agoraphobie. Was genau ihr widerfahren ist, erfahren wir erst später, lässt uns Anna allerdings noch viel besser verstehen.

Während des Lesens habe ich mich stark mit Anna verbunden gefühlt. Ihre Panikattacken und ihre Angst konnte ich gut nachvollziehen und auch ihre Art, dieser Welt zu entfliehen. Gemeinsam mit müssen wir uns aber immer wieder eine Frage stellen: Was ist real? Was nicht? Sehr beklemmend wird hier Annas "Gefangenschaft" dargestellt. Sie schafft es einfach nicht, ihr Haus zu verlassen ...

Die Hintergründe zu Annas Phobie haben mich wirklich mitgenommen. Zwar habe ich mir einiges zusammengereimt, aber es war doch schlimm, die ganze Geschichte mit Anna noch einmal aufzuarbeiten und sich diese schreckliche Wahrheit einzugestehen!

Zusammen mit Anna lernen wir dann auch die neuen Nachbarn, die Russels kennen. Ethan, der Sohn der Familie, steht plötzlich bei Anna vor der Tür und er macht einen recht sonderbaren Eindruck. Anna lernt kurz darauf seine Mutter kennen und es entwickelt sich eine kleine Freundschaft - bis Anna dann am Fenster sieht, wie ihre Nachbarin getötet wird. Leider glaubt die Polizei ihr dann aber nicht, denn Mrs. Russel lebt ist - ist aber nicht die Frau, die Anna kennengelernt hatte ...

Hier nimmt die Geschichte dann auch noch richtig Fahrt auf, auch wenn sich das Geschehen dennoch fast komplett auf Anna konzentriert. Mir hat diese "Gefangenschaft" in eigenen Haus gefallen, da diese der Geschichte eine ganz eigene, sehr beklemmende Atmosphäre gegeben hat. Der Mord wird zwar über lange Strecken zur Nebenhandlung, bekommt aber zum Ende tatsächlich noch eine Wendung, die ich nicht erwartet hätte. Der Autor führt den Leser tatsächlich komplett auf die falsche Spur und präsentiert hier eine Auflösung, die mich regelrecht geschockt hat. Klasse!




"The Woman in the Window" ist ein sehr ruhiger Psychothriller, der sich vordergründig mit der Protagonistin und ihrer Angststörung beschäftigt. Das Buch ist sehr beklemmend und tiefgründig, auch wenn der Mord praktisch zur Nebenhandlung wird. Dennoch präsentiert der Autor am Ende eine Auflösung, mit der ich niemals gerechnet hätte ...



Kommentare:

  1. Hallo Jessi,

    jetzt hast du mich doch ein bisschen neugierig gemacht. Da schon der Klappentext so sehr an "Das Fenster zum Hof" denken lässt, hat's mich bisher weniger interessiert. Doch wenn der Fokus eher auf Annas Angststörung liegt, werde ich noch einmal drüber nachdenken. Vielleicht passt's ja bie Gelegenheit.

    Liebe Grüße & schöne Feiertage,
    Nicole

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    1. Huhu Nicole :D

      ja, ich finde auch, dass es schon einige Bücher mit ähnlicher Thematik gibt, aber dieses Buch ging bei mir echt unter die Haut, die Protagonistin hat echt ein sehr schweres Leben mit dieser Phobie! ;/

      Auch wenn der Mord nur Nebenhandlung war, konnte mich die Auflösung doch absolut überzeugen! :D

      Liebe Grüße
      Jessi

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  2. Hallo Jessi,

    ich habe das Buch auf meiner Wunschliste, deine Rezension hat mich aber nun noch neugieriger gemacht - ruhige Psychothriller können auch sehr spannend sein. Ich werde es bestimmt noch lesen. :)

    Liebe Grüße
    Nicole

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