Mittwoch, 7. Juni 2023

[Rezension] Die Katze im Taubenschlag - Agatha Christie

 


Titel: Die Katze im Taubenschlag

Autor:  Agatha Christie

Genre: Krimi
Erscheinungsjahr: 2005
Seitenzahl: 208
Cover: © Fischer Taschenbuch
Begonnen:16.05.2023
Beendet: 19.05.2023


In dem englischen Mädchenpensionat Meadowbank passieren im neuen Schuljahr einige rätselhafte Dinge. Hat es etwa etwas mit der Prinzessin aus dem Orient zu tun? Als auch noch die Sportlehrerin stirbt und nicht das einzige Opfer bleibt, muss Poirot sich mit dem Fall beschäftigen ...

Das Mädchenpensionat ist als Schauplatz gelungen. Hier kommt es zu einigen rätselhaften Vorkommnissen, die anscheinend mit Juwelen zu tun haben, die aus dem Nahen Osten geschmuggelt werden sollten. Der Leser ahnt allerdings schnell, wo genau sich die Juwelen befinden, stellt sich nur die Frage, wer genau hinter ihnen her ist.

"Die Katze im Taubenschlag" ist ein Spionage-Krimi und zugleich ein typischer Whodunnit-Fall, bei dem es um die große Tätersuche geht. Sehr viele Personen sind hier miteinander verstrickt, wodurch es niemals langweilig wird. Etwas schade fand ich, dass praktisch nur zwei Schülerinnen im Fokus stehe und es ansonsten eher um die Angestellten und die politische Lage im Nahen Osten geht.

Poirot erscheint erst recht spät auf der Bildfläche, findet dann aber natürlich schnell heraus, wie alles zusammenpasst. Die Auflösung ist gelungen, aber als etwas schwach empfand ich, dass der Leser das Motiv von Anfang an wusste. Ich merke bei Christies Werken - so spannend das Miträtseln auch ist - immer wieder, dass mich mehr die Hintergründe der Taten interessieren. Zum entspannten Miträtseln mag ich ihre Werke aber nach wie vor sehr gerne!


Ein klassischer Fall für Poirot, der allerdings nur kurz am Ende auftritt, um den Täter zu offenbaren. Spannend ist dieses Buch auf jeden Fall, aber das Motiv stand zu früh fest und die Offenbarung des Täters hinterlässt nicht unbedingt einen Wow-Effekt ...

Ich vergebe 4 von 5.








Dienstag, 6. Juni 2023

[Rezension] Wölfe und Lämmer - Susanne Mischke

 


Titel: Wölfe und Lämmer

Autor:  Susanne Mischke

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2005
Seitenzahl: 304
Cover: © Piper
Begonnen:15.05.2023
Beendet: 18.05.2023


In einem niedersächsischen Gutshof leben vier Menschen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Robin versucht Schriftsteller zu werden, Barbara klammert sich an die Beziehung zum TV-Richter und Frauenschwarm Hannes und Klara ist mit ihren Hunden beschäftigt, die wie Wölfe aussehen. Als sich die junge Nasrin bei ihnen einquartiert, wird das Miteinander der vier "Freunde" auf eine harte Probe gestellt, bei der es sogar einen Toten gibt ...

Von Susanne Mischke habe ich bisher weder etwas gehört noch etwas gelesen, dabei schreibt sie Krimis, die genau meinen Geschmack treffen, wie ich nach dieser Lektüre festgestellt habe. Eine angenehme, unterschwellige Spannung ist von Anfang an vorhanden, obwohl sich die Autorin erst einmal viel Zeit lässt, die einzelnen Charaktere einzuführen. Es geht hier nicht um die Tätersuche sondern das große "Warum" hinter der Tat.

Sympathisch ist wohl niemand der vier Bewohner und die junge Nasrin, die zu ihnen stößt, wirkt ebenfalls geheimnisvoll und lügt alle an. Besonders gut kommt niemand miteinander aus. Robin gibt seiner Freundin Klara die Schuld, dass er nie etwas zu Papier bringt, Hannes ist in einen Skandal verwickelt und Barbara will eigentlich nur einen festen Platz einnehmen. Der Titel dieses Krimis könnte dabei kaum treffender sein, denn es herrscht hier ein ständiger Kampf um eine gewisse Rangordnung und niemand will sich selbst zum Lamm und damit zum Opfer machen.

Neben der ausgeklügelten Krimihandlung hat mich besonders die Geschichte rund um Klaras "Wolfshunde" begeistert. Allzu viel kann ich hier nicht verraten, aber dieser Eingriff in die Natur regt zum Nachdenken an! Mich hat dieser Krimi von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann gezogen und begeistert. Nun habe ich große Lust, noch weitere Bücher der Autorin zu lesen!




"Wölfe und Lämmer" ist ein kluger und vielschichtiger Krimi, mit vielen interessanten Charakteren und Handlungssträngen. Für mich ist Suanne Mischke daher eine spannende Neuentdeckung!

Ich vergebe 5 von 5.


Montag, 5. Juni 2023

[Rezension] Nico - Jäger und Gejagte - Gabriel Schwarz

 


Titel: Nico - Jäger und Gejagte

Autor:   Gabriel Schwarz

Genre: Thriller
Erscheinungsjahr: 2023
Seitenzahl: 279
Cover: © Redrum Books



Ein ehemaliger Elitesoldat schlägt sich durch den Pfälzer Wald nachdem er Zeuge von Ereignissen wird, die sein Interesse wecken. Als auch noch ein unheimlicher Lost Place im Wald Schauplatz dunkler Geschehnisse wird beginnt ein Katz-und-Mausspiel.

"Nico - Jäger und Gejagte" durfte ich schon im vergangenem Jahr lesen als praktisch erst einmal die Rohfassung vorhanden und noch kein Verlag in Sicht war. Solch Actionthriller mit Elitesoldaten liegen mir sonst nicht, aber der Autor katapultiert direkt in das Geschehen hinein und erzeugt durch die kurzen Kapitel, die unterschiedlichen Sichtweisen und auch seinen knackigen Sätzen, in denen gar nicht so viel Nebensächliches mitschwingt, einen erstklassigen Spannungsbogen.

An einigen Stellen war zwar erkenntlich, dass es sich um ein Debüt handelte. Beispielsweise hat sich Nico lange Zeit für mich nicht wie ein echter Protagonist angefühlt und auch die Nebencharaktere hätten gerne noch mehr Einblicke in ihrer Hintergründe bieten können. Dennoch konnte ich gerade den Besuch des Lost Place sehr genießen und konnte ab der Hälfte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Besonders die Kampfbeschreibungen liegen dem Autor sehr und ich denke, dass gerade Fans härterer Actionthriller hier auf ihre Kosten kommen!


"Nico - Jäger und Gejagte" ist ein spannendes Debüt über ein Katz-und-Mausspiel im Pfälzer Wald! Für Fans von Actionthriller im Stil von Lee Child empfehlenswert!

Ich vergebe 4 von 5.


Samstag, 3. Juni 2023

[Rezension] Hin und Weg - Alan Warner

 


Titel: 
Hin und Weg

Autor:  Alan Warner

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1998
Seitenzahl: 222
Cover: © Goldmann Manhattan
Begonnen:12.05.2023
Beendet: 16.05.2023


Als Morvern Callar ihren Freund tot in der gemeinsamen Wohnung findet, bleibt sie ganz ruhig und erzählt all ihren Freunden und Bekannten, dass er auf und davon ist. In seinen Hinterlassenschaften findet sie schließlich ein Romanmanuskript, das sie unter ihren Namen an Verlage schickt und schließlich Geld scheffelt. Geld, das sie für die nächste Party und den nächsten Rave verwendet ...

Als ich mit "Hin und weg" von Alan Warner begonnen habe, war ich begeistert von dieser verrückten Geschichte und der Protagonistin, die einfach ununterbrochen ihr Ding durchzieht und keinerlei Gefühle zeigt. Je mehr Seiten ich las, umso klarer wurde mir allerdings, dass es in diesem Buch im Grunde keine Entwicklungen und irgendwie auch keine echte Story geben wird.

Ich kam mir beim Lesen ein wenig wie in einem dieser bildgewandten und recht durchgeknallten Filme vor, die oft nur einen Drogentrip oder eine wilde Partynacht beschreiben. Der Autor verliert sich den Raves, Orgien, wilden Urlaubserlebnissen und in Moverns unbändigen Hunger nach Leben, Action und etwas Neuem. Die ganze Geschichte mit dem toten Freund und dem Manuskript dient zwar grober roter Faden, endet jedoch im Nichts ...

Das Buch ließ für mich immer weiter nach. Meine anfängliche Begeisterung schlug schnell in Frust und am Ende sogar in Langeweile um, auch wenn einige wenige humorvolle und verrückte Momente durchaus noch animierten, beim Lesen zumindest nicht einzuschlafen. Nach dem letzten Satz war mein einziger Gedanke: Eigentlich sollte Moverns Geschichte nun erst anfangen. "Hin und weg" bin ich von diesem Buch auf jeden Fall nicht!



Der Klappentext fasst schon den gesamten Inhalt zusammen, denn mehr Substanz gibt es im Leben des Partygirls Movern, die sich einfach nur wie ein toter Fisch treiben lässt, einfach nicht. Ein schwieriges Buch ...

Ich vergebe 2 von 5.


Freitag, 2. Juni 2023

[Rezension] Scherbenpark - Alina Bronsky

  


Titel: Scherbenpark

Autor:  Alina Bronsky

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2009
Seitenzahl: 304
Cover: © KiWi
Begonnen:10.05.2023
Beendet: 1$.05.2023


Die siebzehnjährige Sascha, die von Russland nach Deutschland gekommen ist, lebt mit ihren beiden Geschwistern in einem heruntergekommenen Hochhaus. Sie ist sehr intelligent, geht sogar auf ein katholisches Elite-Gymnasium und hat doch nur zwei Ziele: Ein Buch über ihre Mutter schreiben und ihren Stiefvater Vadim töten ...

"Scherbenpark" hat mich gleich von der allerersten Seite an in das zersplitterte und sehr melancholische Leben von Sascha hineingezogen, die Männer verabscheut und eigentlich nur Rache möchte. Es gibt keine Kapiteleinteilungen. Die Geschichte fließt dahin wie das Leben und ist dabei genauso unvorhersehbar und unberechenbar. Sascha gerät schließlich an einen Journalisten und fängt sogar etwas mit dessen kranken Sohn an. Könnte es also sein, dass sie doch nicht so einsam ist, wie sie denkt? 

Sascha ist unberechenbar und stürzt sich von einem Extrem ins nächste. Teilweise wirkt es, als würde sie einzig und allein durch ihre Rachegedanken am Leben gehalten werden. Sie treibt umher, lernt Menschen kennen und will sich doch nie binden, da sie ihren Platz einfach noch nicht gefunden hat. Besonders das Leben in der Hochhaussiedlung ist für sie kaum auszuhalten.

Mit Humor und doch einer gnadenlosen Ehrlichkeit zeichnet die Autorin hier sehr treffend das Leben eines Mädchens nach, das am Rand der Gesellschaft steht und von ihrem Schmerz getragen wird. Dieser Schmerz war auch für mich als Leser deutlich spürbar. "Scherbenpark" ist ein intensives Leseerlebnis und entpuppte sich sogar als großes Highlight! Ich bin schon sehr auf weitere Bücher der Autorin gespannt.


"Scherbenpark" ist ein melancholischer, bissiger und ehrlicher Roman über ein zerbrochenes Mädchen, das umhertreibt und sich mit Rachegedanken am Leben erhält. Kaum zu glauben, dass es sich hier um ein Debüt handelt. Für mich ein großes Highlight!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.


Donnerstag, 1. Juni 2023

[Gemeinsame Leserunde] Das Teufelslabyrinth - John Saul

 Heute starten wir eine gemeinsame Leserunde zu "Das Teufelslabyrinth" von einem meiner liebsten Horrorautoren. Wer mag, darf wie gehabt gerne einsteigen. Wie immer liest jeder in seinem Tempo!




Wer liest mit?

Nicole von Zeit für neue Genres

und meine Wenigkeit ;)


Leseabschnitte

1) Prolog bis Kapitel 12

2) Kapitel 13 bis Kapitel 26

3) Kapitel 27 bis Kapitel 41

4) Kapitel 42 bis Kapitel 54

5) Kapitel 55 bis Ende 


Ich wünsche uns viel Spaß und ich bin sehr gespannt auf Nicoles Meinung zu ihrem ersten Buch von John Saul! :D

Dienstag, 30. Mai 2023

[Rezension] In eisige Höhe - Das Drama am Mount Everest - Jon Krakauer

 


Titel: In eisige Höhe

Autor:  Jon Krakauer

Genre: Bericht, Biografie
Erscheinungsjahr: 1999
Seitenzahl: 370
Cover: © Malik
Begonnen: 08.05.2023
Beendet: 11.05.2023


1996 nahm Jon Krakauer an einer Mount-Everest-Expedition teil um über die zunehmende Kommerzialisierung des Berges zu berichten. Der Aufstieg auf den höchsten Berg der Welt endet in einer Katastrophe, bei der zwölf Menschen ums Leben kamen ...

Krakauer erzählt in diesem Buch zum einen seine eigene Geschichte und die der anderen Expeditionsteilnehmer, zum anderen taucht er aber auch in die geschichtlichen Hintergründe ein, berichtet von den ersten Gipfelbesteigungen und schließlich auch der zunehmenden Vermarktung des Berges. Dabei verschweigt er auch nicht, dass der Mount Everest im Laufe der Jahre eine wahre Goldgrube geworden ist, an der sich zahlreiche Menschen eine goldene Nase verdienen.

 "In eisige Höhen" ist ein sehr kritisches Buch, dass zeigt, dass die Natur letztendlich eben doch mächtiger als der Mensch ist und bleibt. Der Autor beschäftigt sich zudem mit der Frage, aus welchen Gründen Menschen den Berg besteigen. Respektvoll zeichnet er die Geschichten und Motivationen der einzelnen Teilnehmer auf und zeigt, dass viele Leute zwar motiviert und ehrgeizig sind, sich selbst aber gnadenlos überschätzen.

Da ich den Mount Everest sehr interessant finde und die Kommerzialisierung auch kritisch betrachte, konnte ich mich in vielen Gedanken wiederfinden. Spannend und tragisch waren am Ende dann natürlich die einzelnen Schicksale, auch wenn man als Leser die Teilnehmer - aus Respekt - nur sehr oberflächlich kennenlernt. Dies war auch das einzige, was meinen Lesefluss ein wenig gehemmt hat.

Jon Krakauers "In die Wildnis" war für mich ein echtes Highlight, an das ich beinahe täglich zurückdenke. "In eisige Höhen" wirkt im Gegensatz dazu distanzierter und - nicht nur von der Atmosphäre rund um Berg - eisiger. Lesenswert ist dieses Buch für alle Leute, die den Mount Everest kritisch betrachten, aber auf jeden Fall!


Der höchste Berg der Welt zieht noch immer viele Leute magisch an. Krakauer berichtet von seiner eigenen Expedition auf den Mount Everest, den Anfängen der Bergbesteigung und auch von der zunehmenden Kommerzialisierung. Ein kritisches und aufwühlendes Buch!

Ich vergebe 4 von 5.