Dienstag, 8. Oktober 2019

SCHAURIGE SIEBEN 2019 | Lesetipps zum Gruseln

Meine liebe Bloggerkollegin Nicole von Zeit für neue Genres hat zu einer tollen Aktion aufgerufen, bei der wir Blogger sieben gruselige Bücher präsentieren, die ins seit dem letzten Halloween das Fürchten gelehrt haben.

Tatsächlich musste ich feststellen, dass dieses Jahr wieder einige an interessante Bücher im Horrorbereich erschienen sind, gleichzeitig habe ich mich aber auch wieder in vielen älteren Werken verloren. Denn ich muss hier gestehen, dass ich doch den Old-School-Horror noch immer liebe. Deswegen gibt es hier auf meinem Blog eine bunte Mischung aus meinem Horrorhighlights!


 Cover © Heyne
"Es" von Stephen King gehört für mich zu den unheimlichsten Gruselgeschichten überhaupt, die gleichzeitig noch die Geschichte eines unfassbar tollen Zusammenhalts erzählt. Erst vor kurzem habe ich dieses Buch zum zweiten Mal gelesen und mich hat die ganze Atmosphäre noch einmal in den Bann gezogen und für jede Menge Gänsehaut gesorgt. Ein echtes Meisterwerk!


Cover © Heyne


"Kill Creek" von Scott Thomas war für mich eine echte Überraschung im Horrorgenre. Es geht um eine Gruppe Autoren, die für eine Liveübertragung ein Interview in einem alten Spukhaus geben sollen. Das Werk orientiert sich vom Aufbau an den klassischen Horrorromanen, sorgt aber dennoch durch die schrägen und ungemein interessanten Charakteren und den perfekt gewählten Schauplatz für schaurige Lesestunden! Für mich ein echtes Highlight!
Cover © Heyne



"Teuflische Schwester" von John Saul habe ich gerade erst beendet und demzufolge wird die Rezension erst in den nächsten Wochen folgen. Ich bin schon seit meiner Jugend großer Fan von John Saul und seine Bücher passen einfach perfekt in diese dunkle Jahreszeit. "Teuflische Schwester" ist hier ein echter Old-School-Horror, in dem es um zwei Halbschwestern und sehr viel Eifersucht geht ...




Cover © Knaur
"Die letzten Tage des Jack Sparks" von Jason Arnopp war endlich mal ein sehr moderner Horrorroman, der das Exorzismus-Thema eine sehr schräge Art und Weise behandelt. Es ist eine bissige, humorvolle und dennoch sehr atmosphärische und unheimliche Geschichte über einen Mann, der nicht an Geister glauben will/kann und sich dennoch in in der Welt des Paranormalen verliert! Ein absolutes Must-Read für jeden Horrorfan!



Cover © beThrilled
"The Message" von Tibor Rode war für mich eine sehr originelle Geschichte, die komplett aus einem Chatverlauf besteht und dadurch eine sehr unheimliche Grundstimmung erzeugt. Es geht um eine Moorleiche und um eine seltsame Kettenmail, die eine Gruppe von Studenten zu töten scheint ...





"Der verrückte Stan" ist ein Kurzgeschichtenband von einem
Cover © Festa
meiner Lieblungsautoren. Richard Laymon ist ja leider schon lange verstorben, weswegen Fans leider vergeblich auf weitere Bücher warten müssen. Dieser Kurzgeschichtenband bietet allerdings viele abwechlungsreiche Geschichten. Die Zusammenstellung ist gut gelungen, auch wenn es natürlich einige Storys gab, die mir nicht so zu gesagt haben. Besonders "Am Set von Vampire Night" war nur ein Bericht von Laymons Zeit an einem Filmset und passte für mich nichts ins Gesamtwerk. Dafür habe ich in "Doppeldate", "Hammerhead", "Stickman" und "Die Seejungfrau" ein paar echte Highlights gefunden!

Cover © Heyne

"Desperation" von Stephen King haben wir bei einer schönen, gemütlichen Leserunde gelesen und ich muss sagen, dass ich noch heute bei dem Wort
"Tak" eine Gänsehaut bekomme! Megaspannend, sehr atmosphärisch und so unheimlich, dass es mir beim Lesen kalt den Rücken runter gelaufen ist. Ein wahres Highlight aus der Feder des Meisters!


Habt ihr noch Buchempfehlungen aus dem Horrorbereich?

Sonntag, 6. Oktober 2019

[Rezension] Fear Street - Brandnarben - R. L. Stine

Titel:  Fear Street - Brandnarben 
Autor:  R. L. Stine
Genre: Jugendthriller
Erscheinungsdatum: 1. Januar 1997
Anzahl der Seiten: 156
Cover und Inhaltsangabe © Loewe

Begonnen: 02.08.2019
Beendet: 05.08.2019



"Zuerst ist es nur eine Mutprobe. Der Papierkorb in der Schulbibliothek brennt sofort und beschert den Schülern der Shadyside Highschool ein paar freie Schulstunden. Gabe ist völlig fasziniert von dem Feuer. Doch als das leer stehende Haus an der Fear Street in Flammen aufgeht, wird auch ihm das Spiel zu heiß ..."




Seit jeher begleiten mich nun die Bücher von R. L. Stine. Ohne die "Gänsehaut"- und "Fear Street"-Bücher hätte ich wohl nie selbst angefangen zu schreiben. Nach und nach lese ich die Fear Street-Reihe nun noch einmal und "Brandnarben" war dabei ein Buch, an das ich mich kaum noch erinern konnte.

Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es hier um Feuer. Eine Gruppe von jungen Leuten ist plötzlich vollkommen fasziniert von dem Spiel mit dem Feuer, haben sie doch schon einmal Schulfrei wegen einem selbst verursachten Brand bekommen. So entwickelt sich hier bald eine Eigendynamik, die für einige schlimme Brände sorgt.

Ich fand Feuer seit jeher sehr bedrohlich und so konnte ich die unterschwellige Gefahr, die R. L. Stine hier aufbaut, sehr deutlich spüren. Leider sind die Charaktere hier nicht so interessant wie in anderen Teilen der Reihe und die Hinweise, was den Täter anbelangt, sind leider zu eindeutig, sodass mich die letztendliche Auflösung nicht so recht überzeugen konnte.




Ein lesenswerter Teil der Reihe, bei dem die Gefahr, die vom Feuer ausgeht, eine tolle unterschwellige Spannung entwickelt. Leider waren mir die Charaktere aber allesamt zu uninteressant und die Auflösung zu vorhersehbar!

Freitag, 4. Oktober 2019

[Leseprobe] The Dew Wood Footage - Jeidra Rainey

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Tagebucheintrag vom Dienstag, dem 3. Oktober 2000

Ich weiß genau, dass mich niemand vermissen wird. Ja, ich bin nur ein Niemand, ein Unbekannter, ein Namen- und Gesichtsloser. Vielleicht ist das der Grund, warum das Schicksal mir jetzt einen Weg offenbart, vollständig dieser Welt zu entfliehen. Jene Welt, die mich eh nicht braucht.
Ich werde drei Tage und Nächte im Dew Wood verbringen, um einen Film zu drehen, der mir nichts bedeutet.
Found-Footage-Filme sind die Zukunft des Horrorfilms. Das hat Professor Abernathy gesagt und natürlich auf den im letzten Jahr erschienen Film „Blair Witch Project“ angespielt.
Der Professor liebt das Unbekannte, das Originelle, das Neue. Genau aus diesem Grund will er mit drei seiner Studenten solch einen Film produzieren. Eine Dokumentation, die schließlich in blankes Entsetzen umschlagen soll. Ein Film, der mit der Ungewissheit spielt und nichts als die Wahrheit zeigen soll.
Ich habe wenig Interesse an solchen Filmen, aber dennoch hat mich Professor Abernathy zusammen mit zwei anderen Studenten nach der heutigen Vorlesung aufgehalten.
Professor Abernathy interessiert sich nicht nur für „Filmgeschichte“, „Die Kunst des Spannungsaufbaus“ und „Die Entwicklung von Helden und Antagonisten in Horrorfilmen“. Nein. Er ist auch Hobbypsychologe. In seinen Kursen müssen wir jeden Film bis ins kleinste Detail analysieren. Er verabscheut Klischees und liebt das Außergewöhnliche, ja, die kleinen Dinge, die den Unterschied machen.
„Das Filmgeschäft benötigt Mut“, predigt er ständig. „Mut für Veränderungen. Wer Angst vor der großen Leinwand und den Meinungen der Zuschauer hat, sollte sich einen anderen Job suchen.“
Ich bin nicht mutig. Ich bin vollkommen verloren. Mir ist die große Leinwand egal, genau wie die Meinungen anderer Menschen.
Früher habe ich mir vorgenommen, mehr aus meinem Leben zu machen. Mehr als meine Eltern, die niemals aus dem Trailerpark herauskommen und doch immer von dem „besseren Leben“, das angeblich irgendwo auf sie wartet, sprechen. Als ob es hinter der nächsten Ecke lauern würde …
In mir, ihrem einzigen, wenn auch ungewollten Kind, sehen sie eine große Chance. Ihre einzige Chance. Blöd nur, dass ich weder mir selbst, noch meinen Eltern, die mir in den letzten 19 Jahren keinerlei Liebe geschenkt hatten, irgendetwas bieten will. Nicht, solange ich ihre längst eingestaubten Träume leben soll.
Mein Vater liebt alte Filme, die er auf unserem Röhrenfernseher genießt. Er hatte Regisseur werden wollen. Ideen hat er angeblich noch immer genug. Jene, die er mir bisher aufgeschwatzt hat, sind jedoch nur Kopien von den Filmen, die er so sehr liebt.
Meine Mutter spricht dauernd von ihren unzähligen Film- und Theaterrollen.
„Aus mir hätte ein großer Star werden können“, sagt sie immer, wenn sie abends vor unserem Wohnwagen sitzt und die letzte Zigarette des Tages raucht. „Die nächste Marilyn Monroe … Ein Idol … Ein Jemand …“
Ich bin schuld daran, dass sie nun ein Niemand ist. Ich, der Parasit, der sich in ihrem einst so wundervollen Körper eingenistet und ihn zerstört hat.
Wenn ich den Abschluss an der DMA, der Dropvale Movie Academy nicht schaffe, werde ich wohl noch mehr Schuldvorwürfe an mir abprallen lassen müssen.
Vielleicht wird es dazu aber auch gar nicht mehr kommen. Wenn der Dew Wood mich verschluckt, werde ich niemanden mehr zu Last fallen. Keinerlei Worte werden mich dann noch erreichen und durchbohren können.
Nur das Filmmaterial wird zurückbleiben. Eine letzte unzensierte Fassung meines Lebens und gleichzeitig die ungefilterte Realität. Das, was niemand sehen will.
Ich habe längst begriffen, dass ich mich durch die Filmerei nicht ausdrücken kann. Ganz im Gegenteil. All das, was ich hier an der Academy produziert habe, hat recht wenig mit dem echten Chad Farrow zu tun.
Vielleicht hätte ich mich durchsetzen und Schriftsteller werden sollen, doch laut meinen Eltern kann man damit kein Geld machen. Wer liest heutzutage schon noch Bücher?
Das Papier ist im Gegensatz zu einer Kameralinse zwar geduldig, es verzeiht Fehler und erwartet keine Perfektion. Aber hilft es mir auch durch die Irrwege des Lebens? Wird es mich beschützen, mich nähren, mich durch gute und schlechte Zeiten begleiten? Nein. Die Antwort lautet Nein.
Ich habe keine Ahnung, wer ich überhaupt bin. Wenn ich in den Spiegel schaue, ist da nur der blasse Junge mit den aschblonden Haaren, der sich seit seinem zwölften Lebensjahr nicht verändert zu haben scheint.
Professor Abernathy sieht in mir auch nicht mehr als den verschlossenen Jungen, der ruhig in den Wald geschickt werden kann, um dort verloren zu gehen. Lost Footage.
Von mir soll so wenig wie möglich übrigbleiben. Nur so viel, dass die Leute animiert werden, ein Kinoticket zu kaufen.
Professor Abernathy hätte genauso gut einen der enthusiastischen Studenten auswählen können. Josh Richards zum Beispiel, der mit seinem makellosen Gesicht und seinem schauspielerischen Talent alle hier an der Dropvale Movie Academy in den Schatten stellt, doch der Professor will etwas Echtes, etwas, das ruhig verloren gehen kann. Für dieses Projekt hat er die schwächsten, ruhigsten und sonderbarsten seiner Studenten auserwählt.
„Ich lasse euch gerne ein paar Tage Zeit, um die ganze Sache zu überdenken“, hat er uns erklärt, im Anschluss aber dafür gesorgt, dass niemand von uns eine andere Wahl hat. „Aber es könnte eure letzte Chance sein, das Semester zu überstehen.“
Gleichzeitig bot er uns ein Ende an. Ein Ende jenes Studiums, das uns wohl alle nicht sonderbar interessierte, weil wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt waren. Wie gnädig der Professor doch sein konnte.


-2-
2019

Träume waren das Wichtigste im Leben. Träume und große Ziele, die für den nötigen Antrieb sorgten und eine bloße Existenz in ein würdiges Leben verwandelten. Rachel Batts wusste, dass die meisten Träume ihrer Mitmenschen nicht in Erfüllung gehen würden, aber sie wusste auch, dass es bei ihr anders sein würde.
Sie war schon immer überaus ehrgeizig gewesen. Das große Ziel fest im Blick, schoss sie oftmals weit darüber hinaus. Es war besser, zu viel zu geben als zu wenig.
Die High School hatte sie mit Bestnoten abgeschlossen und nun musste sie den nächsten Zieleinlauf bewältigen: Den Abschluss am Lionsville Film Institute. Wie stolz sie sein würde, wenn sie das Filmstudium endlich abgeschlossen hatte und ihre Karriere als Regisseurin beginnen konnte.
Zuvor musste sie erst einmal den besten Abschlussfilm aller Zeiten drehen. Ein Film, der über die Grenzen der Universität hinaus Wellen schlagen und ihr sämtliche Türen öffnen würde.
Ich werde das Horrorfilmgenre revolutionieren, hatte sie sich schon vor vielen Jahren geschworen. Ja, ich werde den Leuten zeigen, was es bedeutet, echte Angst zu empfinden.
Rachel erinnerte sich nur allzu gut an den ersten Horrorfilm, den sie im zarten Alter von acht Jahren gesehen hatte. Ihr Herzschlag hatte sich beschleunigt, als sie an Jamie Lee Curtis Seite ums Überleben gekämpft hatte.
Als der Abspann alle Namen nannte, die an diesem Meisterwerk beteiligt gewesen waren, hatte Rachel gewusst, wo sie sich in zehn Jahren sah. Sie wollte etwas schaffen, dass die Menschen in den Bann zog, sie verstörte, vielleicht sogar verzweifeln ließ. Am Ende sollte jeder Zuschauer etwas aus dem Kinosaal mitnehmen. Eine dunkle Erinnerung, die auch langfristig für eine Gänsehaut sorgen sollte.
Rachel wusste, wie sehr sich das Horrorfilmgenre in den letzten Jahren verändert hatte. Blut, Eingeweide und schonungslose Großaufnahmen von Mordwaffen, die ins Fleisch eindrangen. All das hatte die Leute abgehärtet und dafür gesorgt, dass ihnen nichts, wirklich nichts mehr Angst einflößte. Horrorfilme mussten grausam sein und doch lösten sie zeitgleich nichts mehr in den Menschen aus. Ganz im Gegenteil. Die Zuschauer begannen sich zu langweilen, weil sie alles schon mal gesehen hatten. Das Wesentliche war verloren gegangen, weil der Fokus auf dem Visuellen lag.
Rachel liebte das Spiel mit der Ungewissheit. Sie wollte Filme drehen, die von der Leinwand direkt ins Kopfkino der Zuschauer sprangen. Die Leute sollten sich ihren eigenen Schrecken kreieren. Ihren ganz persönlichen Albtraum.
Ein jeder war es gewohnt, ein Fangnetz unter sich ausgebreitet zu haben. Niemand wollte die Kontrolle verlieren, doch genau das wollte Rachel den Leuten antun. Sie würden fallen und der Aufprall würde schmerzen, aber sie würden das Gefühl genießen und es immer wieder erleben wollen.
Professor Dunwick, den Rachel für absolut unfähig hielt, wollte ihre grandiosen Pläne für ihren Abschlussfilm allerdings nicht so einfach absegnen. Er sah alles andere als begeistert aus.
„Rachel, das ist so altbacken …“, begrüßte er sie an diesem Tag nach den Vorlesungen in seinem Büro und bat sie, sich zu setzen. „Found Footage? Ist das Ihr Ernst? Wir schreiben das Jahr 2019. Meinen Sie nicht, dass sich mittlerweile genug Regisseure ihre Zähne daran ausgebissen haben?“
Er füllte eine Tasse mit Kaffee, Honig und Zimt und stellte sie vor Rachel auf den Tisch. Er liebte das Originelle, Einzigartige. Genau das erwartete er auch von seinen Studenten.
„Professor Dunwick“, setzte Rachel an, als er ihr gegenüber Platz genommen hatte. Sie spürte, wie sich die Ungeduld in ihrem Magen ausbreitete. Sie war eine Macherin und wenn sie auf Hindernisse traf, war sie bereit, diese ohne zu zögern aus dem Weg zu schaffen. „Ich möchte zum Ursprung der Found-Footage-Filme zurückkehren. Ich will den Zuschauern eine Geschichte erzählen. Eine echte Geschichte, die sie eigenständig hinterfragen sollen …“
„Rachel …“ Der Professor, der um die vierzig war und bereits leicht schütteres Haar bekam, nahm seine eigene Tasse, die auf einem fleckigen Papierstapel stand und trank einen Schluck. „Du bist doch ein intelligentes und talentiertes Mädchen! Wieso drehst du nicht einen netten Kurzfilm mit einer kreativen Geschichte, der durch Kameraführung und originelle Effekte überzeugt?“
„Weil ich mich gerne von der breiten Masse abhebe!“, erwiderte Rachel und setzte jenes Lächeln auf, das normalerweise jeden überzeugte. Sie strich sich ihr blau gefärbtes Haar aus dem Gesicht, damit Professor Dunwick auch ihren eisernen Blick sah. „Ich will dieses Genre neu ergründen. Wenn Sie mein Skript gelesen haben, wissen Sie sicher, dass ich einen echten Found-Footage-Film mit einbeziehen will … Es wird eine neuartige Doku, ein Film im Film und doch nichts als die Realität …“
„Found Footage …“ Der Professor sprach diese zwei Worte aus, als würden sie das Ende der Welt einläuten. Er mochte alte schwarz-weiß-Filme, aber auch moderne Hollywoodproduktionen. Nur mit Horrorfilmen stand er auf dem Kriegsfuß.
Am Lionsville Film Institute gab er Kurse in Szenografie und Postproduktion. Er war einer von zwei Professoren, die alle Abschlussprojekte absegnen mussten.
„Was glauben Sie, wie viele Studenten in den letzten Jahren mit solch einer Idee ankamen? Und wie viele in Ihrem Jahrgang etwas Ähnliches geplant haben?“, fragte Professor Dunwick und lehnte sich zurück. Sein Bürostuhl quietschte. „Alle halten das für superleicht. Sie gehen einmal kurz in den nächstbesten Wald, wackeln mit der Kamera herum und laufen dann schreiend vor einer nichtexistierenden Gefahr davon. Ist das nicht ein wenig langweilig?“
Rachel biss sich auf die Unterlippe. Sie hatte gehört, dass Mike Garrow und Hester Longham tatsächlich geplant hatten, eine fette Party mit Drogen und Alkohol zu veranstalten und dabei die Kamera laufen zu lassen. Offiziell sollte es natürlich um die Gefahr bewusstseinsverändernden Substanzen gehen.
„Haben Sie mein Skript gelesen?“, fragte Rachel. Sie war noch längst nicht bereit, aufzugeben. Nein. Das war erst der Anfang. Sie wusste genau, dass sie ihren Film wie geplant drehen würde. So viel stand fest.
Professor Dunwick schlürfte seinen Kaffee. „Das habe ich … Sie wollen diesen sonderbaren Fall aus dem Jahr 2000 neu aufrollen … Drei vermisste Filmstudenten … Als ob das noch nie dagewesen war …“
Er verdrehte die Augen. „Seien Sie nicht dumm, Rachel …“
„Es soll um Chad Farrow gehen“, erklärte Rachel. „Ich habe bereits die Erlaubnis eingeholt, Teile seines damals gefundenen Tagebuchs und ein paar der Filmaufnahmen verwenden zu dürfen. Na, klingt das nicht spannend, Professor? Fast zwanzig Jahre nach den Vorfällen kommt vielleicht endlich die ganze Wahrheit raus … Das könnte das Lionsville Film Institute über die Landesgrenzen hinaus bekannt machen …“
Der Professor verzog das Gesicht, als hätte er nun auch selbst den Geschmack an seiner widerlichen Kaffeekombination verloren. „Welche Wahrheit denn? Dass dieser Chad Farrow ein Psychopath war? Sie werden nichts Neues herausfinden können, Rachel! Sie werden nur an Ihre Grenzen stoßen und das würde ich gerne verhindern. Wieso widmen Sie sich nicht einem weniger düsteren Projekt? Als Horrorfilmregisseurin werden Sie es in der heutigen Zeit schwer haben!“
Er musterte sie besorgt und Rachel wusste genau, was er dachte. Für ihn war sie mit ihren kurzen blauen Haaren, die ihr fransig ins Gesicht fielen, den karierten Hemden, die sie stets über einem Tanktop trug und dem Piercing in ihrer Unterlippe nur eine spätpubertäre Rebellin, die sich noch einmal beweisen wollte, bevor das echte Leben sie einholte.
„Wo ist denn Ihr Mut geblieben?“, fragte Rachel und spielte einen Trumpf aus, den sie eigentlich hatte zurückhalten wollen. „Haben Sie ihn etwa verloren, weil Ihr Film von der breiten Masse verschmäht worden ist?“
Sie griff nach dem Kaffee und nahm einen Schluck. Er schmeckte widerlich. Wie immer. Rachel konnte Zimt nicht ausstehen.
Professor Dunwick knirschte mit den Zähnen. Er hasste es, wenn die Leute ihn auf seine Vergangenheit ansprachen. Jene Vergangenheit, die er am liebsten ausgelöscht hätte. Blöd nur, dass das Internet heutzutage nichts vergaß.
Rachel hatte sich natürlich im Vorfeld über alle Professoren ausgiebig belesen. Sie wollte wissen, von wem sie am meisten lernen und wessen Ratschläge sie besser nur halbherzig berücksichtigen sollte.
„Die Leute waren damals noch nicht offen für die Art von Filmen, die ich produzieren wollte …“, versuchte der Professor sich zu erklären.
Tatsache war, dass sein Film „Orange Timeline“ ein kleines Kunstwerk hatte darstellen sollen, auf verschiedenen Onlineplattformen aber grottenschlecht bewerteten worden war. Rachel hatte versucht, ihn sich anzuschauen, war aber über die ersten zwanzig stummen Minuten nicht hinausgekommen. Das Visuelle hatte Professor Dunwick drauf, aber er konnte keine Geschichten erzählen. In „Orange Timeline“ sollte es um Zeitreisen gehen, um „die vergangene Zukunft“, wie Dunwick immer wieder betonte. Seinen Film haben allerdings nur die wenigsten verstanden.
„Sie wollen nicht, dass ich den gleichen Fehler wie Sie begehe, nicht wahr?“ Rachel wagte sich mit dieser Frage auf unbekanntes Terrain, aber sie wollte, nein musste, den Professor von ihrer Idee überzeugen. „Sie wollen mich beschützen, aber soll ich Ihnen etwas sagen? Mein Entschluss steht fest! Ich werde Horrorfilme drehen, ob Ihnen das gefällt oder nicht! Ich werde Sie mit Sicherheit nicht zwingen, sich im Kino meine Filme anzuschauen, aber Sie werden in Zukunft von mir hören … Jetzt stellt sich die Frage, ob Sie sich mir in den Weg stellen oder aber, wie es sich für einen engagierten Professor gehört, unterstützen wollen …“
Sie sah ihn eindringlich an und als er den Mund öffnete und scharf die Luft einsog, wusste sie, dass sie gewonnen hatte.
„Sie sind eine Kämpferin, Rachel …“ Er lehnte sich nach vorne und nahm noch einen Schluck von seinem Honig-Zimt-Kaffee-Gemisch. „Genau wie ich damals … Sie sehen, wohin es mich gebracht hat …“
Er hob kapitulierend eine Hand. „Wollen Sie wirklich am Originalschauplatz drehen? Über 200 Meilen ... Das ist eine ganz schöne Strecke. Reicht nicht ein Wald in der Nähe?“
Rachel schüttelte den Kopf. Mit halben Sachen hatte sie sich noch nie zufriedengegeben. „Ich kann mir einen Kleinbus ausleihen. Da passt das gesamte Filmmaterial rein. Mehr als drei oder vier weitere Leute werde ich nicht brauchen und wir werden nur ein paar Tage fort sein!“
Der Professor nickte. Er sah nicht begeistert aus, erinnerte sich wohl aber an seine damaligen Filmideen, die er ebenfalls um jeden Preis hatte durchsetzen wollen. Im Gegensatz zu Rachels Träumen waren seine allerdings geplatzt.
Rachel sprang aufgeregt vom Stuhl auf und klatsche in die Hände. „Danke, Professor Dunwick!“
„Rachel?“ Seine Stimme hielt sie auf, bevor sie nach draußen stürmen konnte, um endlich alles für ihre Fahrt nach Rainfield in die Wege zu leiten.
Sie drehte sich um und sah die Besorgnis in seinen Augen.
„Passen Sie auf, dass Sie nicht vom Weg abkommen!“, sagte er. „Manchmal geht das so schnell, dass man es gar nicht mitbekommt …“

(Aus: "The Dew Wood Footage" von Jeidra Rainey)

Donnerstag, 3. Oktober 2019

[Buchvorstellung/Mein nächstes Buch] The Dew Wood Footage - Jeidra Rainey

Morgen erscheint mein nächster Roman (Jugendhorror) und obwohl dies mittlerweile meine achte Veröffentlichung ist, bin ich noch immer sehr aufgeregt! Dieses Mal musste ich leider aus
finanziellen Gründen auf ein Taschenbuch verzichten, hoffe aber dennoch, dass der eine oder andere dennoch Lust hat, wenigstens digital noch einmal nach Rainfield zu reisen. Ich bin froh, dass ich im letzten Jahr das kleine Städtchen geschaffen habe, denn dort fühle ich mich schreibtechnisch mittlerweile echt wohl.

Als großer "Blair Witch Project" beziehungsweise "Found Footage"-Fan wollte ich schon immer mal ein Buch gerade zu dem Thema des "Verlorengehens" schreiben. "The Dew Wood Footage" entstand handschriftlich in Rekordzeit, ich musste nur erst einmal einen Ort finden, an dem ich es abtippen konnte.

Nun kann ich euch endlich in den Dew Wood entführen. Es ist wie immer eine jugendliche, wenig blutige Geschichte, die zum Mitdenken einlädt. Vieles liegt hier im Wald verborgen und ist auf den Aufnahmen gar nicht erst zu sehen. Es ist, was auch den Stil in Form von zahlreichen Tagebucheinträgen und Filmaufnahmen, für mich ein sehr experimentelles Buch, das ich aber absolut gerne geschrieben habe! Ich hoffe, ihr werdet genauso viel Spaß im Dew Wood haben wie ich und euch natürlich hin und wieder ein wenig gruseln. Lasst euch nicht vom Wald verschlucken!

Eure Jeidra Rainey


Hier noch der Klappentext:

Kann etwas verloren gehen, das längst verloren ist?

Vor 19 Jahren verschwanden drei Studenten im Dew Wood, zurück blieben nur sonderbare Tagebucheinträge und Filmaufnahmen, die bis heute für zahlreiche Spekulationen sorgen. 

Rachel Batts will die Geschichte der drei vermissten Studenten in ihrem eigenen Abschlussfilm dokumentieren. Sie begibt sich mit ihren Teamkollegen in den Dew Wood, ahnt jedoch nicht, dass manche Geheimnisse zu schrecklich sind, um sie auf 16 mm zu bannen …


Mittwoch, 2. Oktober 2019

[Rezension] Der Sommer der Blaubeeren - Mary Simses

Titel: Der Sommer der Blaubeeren
Autor:  Mary Simses
Genre: Roman, Liebesroman
Erscheinungsdatum: 21. April 2014
Anzahl der Seiten: 416
Cover und Inhaltsangabe © Blanvalet




"Kurz vor ihrer Hochzeit fährt die New Yorker Anwältin Ellen Branford in den abgelegenen Küstenort Beacon, um den letzten Wunsch ihrer Großmutter zu erfüllen. Sie soll einen Brief überbringen und hofft, die Angelegenheit schnell erledigen zu können. Doch schon bald ahnt sie, dass sich dahinter viel mehr verbirgt. Denn inmitten von Blaubeerfeldern wartet eine alte Geschichte von Liebe und verlorenen Träumen auf Ellen – die ihr zeigen wird, dass man manchmal all seine Pläne über den Haufen werfen muss, um das wahre Glück zu finden …"




Was wäre ein Sommer ohne Blaubeeren? Da ich eh ein großer Beerenfan bin, musste jetzt endlich einmal dieses Buch von meinem SUB befreit werden. "Der Sommer der Blaubeeren" ist dabei eine lockerleichte Liebesgeschichte, die allerdings auch kaum Tiefgang besitzt.

Aber beginnen wir erst einmal am Anfang: Die Geschichte startet recht interessant. Unsere Protagonistin Ellen fällt in einen See und muss gerettet werden. Dabei ist sie so überwältigt, dass sie Roy, den Mann, der sie gerettet hat, küsst - was natürlich auf dem Titelblatt der Tageszeitung landet.

Ellen ist plötzlich ein "Star" in dem kleinen Örtchen Bacon und obwohl sie eigentlich nur einen Brief für ihre vor kurzem verstorbene Großmutter überbringen soll, fühlt sie sich plötzlich in dem kleinen Städtchen pudelwohl, ja blüht regelrecht auf.

Ich muss zugeben, dass ich Ellen zu Beginn sehr anstrengend fand. Sie war sehr arrogant, abgehoben und hatte immer etwas zu meckern. Dabei ging sie mir teilweise echt auf die Nerven. Natürlich wollte die Autorin, dass sich Ellen im Laufe der Geschichte entfaltet, aber das ging mir dann doch eine Spur zu schnell. Zwischen vielen Leckereien und einen netten Mann, den sie erst eine Woche kennt, soll sie plötzlich zu sich selbst finden?

Zugegebenermaßen waren die vielen Kuchen und Gerichte hier beim Lesen noch das Interessanteste. Ich hatte nicht bloß Appetit auf Blaubeeren, nein, auch den Ciderdonut hätte ich gerne probiert. Es wurde klar, dass die Autorin gutes Essen liebt, schade ist dann nur, dass zwischen den seitenlangen Beschreibungen irgendwelcher Spezialitäten kein Platz mehr für viel Story blieb.

So wird die Geschichte der Großmutter auch schnell und recht lieblos abgearbeitet. Es gibt hier auch kein Geheimnis zu entdecken und demzufolge auch keinen Vergangenheitsstrang. Der Brief selbst und das, was damals zwischen der Großmutter und einem Mann geschah, bleibt Nebensache und soll wohl nur noch einmal die Entscheidung unserer Protagonistin erleichtern. Es ist im Verlauf der Handlung nichts passiert, was ich nicht erwartet hätte.

Schade ist zudem, dass bei Ellen und auch anderen Charakteren das Geld doch so eine große Rolle zu spielen scheint. Das hat bei mir doch einen fahlen Beigeschmack hinterlassen, da für mich echte Gefühle hier beim Lesen leider nicht wirklich spürbar waren.

Auch wenn die Rezension bis hierhin sehr negativ klingt, so lässt sich das Buch doch zumindest gut lesen. Der Schreibstil ist sehr einfach, es gibt nicht viel Freiraum zum Mitdenken und so ist es ein gutes Buch für Zwischendurch, bei dem man einfach mal abschalten kann. Ja, bei dem man nicht einmal besonders aufmerksam lesen muss. Das Ende ist eh schon nach wenigen Seiten klar, genau wie der Weg dahin ...




"Der Sommer de Blaubeeren" ist ein netter Liebesroman für Zwischendurch, der sich gut lesen lässt, aber keinen Tiefgang besitzt und leider auch von Anfang an von den Charakterentwicklungen sehr vorhersehbar ist.


Montag, 30. September 2019

[Rezension] Der fremde Gast - Charlotte Link

Titel: Der fremde Gast
Autor:  Charlotte Link
Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsdatum: April 2005
Anzahl der Seiten: 480
Cover und Inhaltsangabe © Goldmann

Begonnen: 23.08.2019
Beendet: 28.08.219



"Rebecca Brandt hat beschlossen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Nichts kann die junge Witwe über den Tod ihres Mannes hinwegtrösten. Da lernt sie durch Zufall in Südfrankreich die beiden Studenten Inga und Marius kennen und schöpft durch die Freundschaft mit dem jungen Paar neuen Lebensmut. Während eines Segeltörns kommt es zu einem schrecklichen Unfall: Marius fällt über Bord, und schließlich muss davon ausgegangen werden, dass er ertrunken ist. Wochen später erscheint sein Bild in der Zeitung. Im Zusammenhang mit einem furchtbaren Verbrechen in Deutschland wird nach ihm gesucht."



Seit langem habe ich mich mal wieder ein Buch von Charlotte Link gelesen, die mich mit ihren Werken sonst stets gut unterhalten konnte. "Der fremde Gast" ist hierbei eine Geschichte, die zu Beginn leicht verwirrend erscheint. Es gibt mehrere Sichten der verschiedensten Frauen, die mal mehr und mal weniger intensiv in die Handlung verstrickt sind.

Die Zusammenhänge offenbaren sich hier erst nach und nach, was mir am Anfang der Geschichte noch gut gefallen hat, denn die Handlung bleibt so lange Zeit mysteriös. Wir haben da Karen, die ihre Nachbarn nicht mehr antrifft, Inga und Marius, die ans Mittelmeer trampen und Rebecca, die ihren Mann verloren hat und die schließlich Besuch von einem alten Freund bekommt. Zudem gibt es mehrere Frauen, die dann noch sonderbare Drohbriefe bekommen.

Die ersten gut 150 Seiten habe ich hier wirklich gerne gelesen, auch wenn mir hier schon einige recht unlogische Dinge auffielen. Am schlimmsten fand ich persönlich ja Ingas entzündete Füße, nachdem sie eine (!) Stunde laufen musste ... Oder aber auch Karins Eheprobleme, die einfach nichts zur Sache tun, aber dauernd aufgewärmt werden, obwohl sie nichts, wirklich nichts, mit der Haupthandlung zu tun haben!

Irgendwann, nach diesen 150 Seiten kam ich dann einen Punkt, an dem eigentlich klar was, genau dahinter steckt, was dazu geführt hat, dass die nächsten 250 Seiten einfach nur öde waren. Es passierte nichts, wirklich nichts, was ich so nicht erwartet hätte. Natürlich habe ich dennoch eine Wendung erwartet und die sollte ich dann auch bekommen ... Allerdings hat diese "Überraschung" das Buch für mich vollständig zerstört ...

Ich habe ja schon öfter erwähnt, dass mir Logik gar nicht einmal so wichtig in einem Buch ist, aber ich will einfach nicht spüren, dass eine Geschichte von vorne bis hinten einfach nur konstruiert ist. "Der fremde Gast" liest sich einfach so, als wäre zum Ende hin komplett die Luft raus, was dazuführt, dass die Autorin dann eine Wendung kreiert, die den Leser beinahe verhöhnt, weil einfach nichts mehr zusammenpassen will!

"Der fremde Gast"war damit seit langem mal wieder so ein Buch, das mich extrem verärgert hat. Selten bereue ich es, bei einer Geschichte durchgehalten zu haben, aber hier hätte ich mir tatsächlich jede Menge Frust ersparen können. hätte ich auf mein Bauchgefühl gehört ...



Während "Der fremde Gast" auf den ersten 150 Seiten durch die vielen unterschiedlichen Perspektiven eine Story aufbaut, die sehr viel Potenzial hat, verliert sich die Autorin irgendwann in ihrer eigenen Geschichte und präsentiert eine Wendung, die nicht nur enttäuscht, sondern den mitdenkenden Leser förmlich vor den Kopf stößt ... Das kann Charlotte Link viel besser!

Samstag, 28. September 2019

[Rezension] Weil ich Layken liebe - Colleen Hoover

Titel:  Weil ich Layken liebe
Autor:  Colleen Hoover
Genre: Roman, Liebesroman
Erscheinungsdatum: 1. November 2013
Anzahl der Seiten: 384
Cover und Inhaltsangabe © dtv

Begonnen: 20.08.2019
Beendet: 23.08.2019



"Nach dem Unfalltod ihres Vaters zieht die 18-jährige Layken mit ihrer Mutter und ihrem Bruder von Texas nach Michigan. Nie hätte Layken gedacht, dass sie sich dort bereits am ersten Tag Hals über Kopf verliebt. Und dass diese Liebe mit derselben Intensität erwidert wird. Es sind die ganz großen Gefühle zwischen Layken und Will. Das ganz große Glück - drei Tage lang. Denn dann stellt das Leben sich ihrer Liebe mit aller Macht in den Weg…"



Ich muss gleich zu Beginn meiner Rezension gestehen, dass ich immer einen Bogen um die Bücher von Colleen Hoover gemacht habe. Sie waren mir zu präsent, jeder, wirklich jeder hat von ihnen geschwärmt und ich dachte, ich trotze diesem Hype. Da ich eher selten Liebesromane lese, stellte das auch keine große Schwierigkeit da - bis ich dann plötzlich einfach Lust hatte, ein paar Seiten zu lesen. Und was soll ich sagen? Schon nach den ersten Seiten hat mich Colleen Hoovers Stil in den Bann gezogen ...

Nachdem ich Layken kurz nach dem Unfalltod ihres Vaters kennengelernt habe und erstaunt war, wie sehr mich die Geschichte schon berührt hatte, musste ich einfach weiterlesen. Es war wieder einmal solch ein Buch, das einen auch zwischen dem Lesen nicht loslässt. Ja, eins dieser Bücher, die einen komplett in sich aufsaugen und erst am Ende wieder loslassen.

Ich mochte Laykens und Wills aufkeimende Liebe, die dann schnell von der harten Realität im Keim erstickt wurde. Zeitgleich habe ich sämtliche Charaktere in mein Herz geschlossen, die hier allesamt so viel Persönlichkeit besitzen, dass ich echt wütend war, mich erst jetzt an mein erstes Buch von Colleen Hoover gewagt zu haben. Ich hätte Layken, Will, Kel, Eddie und Julia wirklich gerne schon früher kennengelernt.

"Weil ich Layken liebe" war für mich ein Liebesroman, der zudem viele Seiten des Lebens beleuchtet. Es geht um Verlust, um Trauer, aber auch um Freundschaft und Familie. Dabei besitzt die Autorin eine tolle Art, schwierige Themen einzubauen. Ich musste beim Lesen echt unzählige Male weinen, doch immer wieder gab es Momente dazwischen, die mich echt zum lachen gebracht haben. So war es ein Auf und Ab in meiner ganz persönlichen Gefühlsachterbahn!

Passend fand ich zudem die Einbindung der Songtexte der "Avett Brother" und natürlich die vielen Gedichte, die bei Wills heißgeliebten Poetry Slams vorgetragen werde. Besonders Eddies Gedicht und auch ihre Geschichte hat mich fast so sehr wie die Haupthandlung berühren können!

Die letzten Seiten von "Weil ich Layken liebe" habe ich auf jeden Fall mit Tränen in den Augen, aber mit einem Lächeln auf den Lippen gelesen. Nach dem Zuschlagen der letzten Seite war ich mitgenommen, aber auch glücklich. Ich kann jetzt auf jeden Fall verstehen, wieso die Autorin so viele Fans hat und ich bin froh, ihr endlich eine Chance gegeben zu haben. So stehen mir jetzt glücklicherweise noch etliche weitere Geschichten dieser Art bevor!




Liebe auf den ersten Blick, nein, auf den ersten Seiten, So kann man meine erste Begegnung mit Colleen Hoover wohl bezeichnen. Selten habe ich gleichzeitig so viel gelacht und geweint beim Lesen. Für mich daher ein echtes Buchhighlight!